Im Rahmen eines Strafverfahrens ist es wichtig, dass sich die Richter und je nach Rechtssystem auch die Geschworenen einen genauen Eindruck vom Tatort verschaffen können. Die Aufgabe, zu verdeutlichen, wie genau sich die jeweilige Tat abgespielt hat, fällt auf die Staatsanwaltschaft und Verteidiger. Für diese ist das nicht immer einfach, denn ihnen stehen dazu nur Beschreibungen, Fotos, Zeichnungen und Videos zur Verfügung. Diese können zwar einen abstrakten optischen Eindruck vermitteln, aber an dem Gefühl für Raum und Zeit scheitern sie oft. Eine tatsächliche Tatortbegehung erfolgt nur im Ausnahmefall. Forscher der Staffordshire University in Großbritannien wollen Richtern und Geschworenen nun Tatortbegehungen in der virtuellen Realität ermöglichen.


Foto:  Crime Scene, Alan Cleaver, Flickr, CC BY-SA 2.0
Foto: Crime Scene, Alan Cleaver, Flickr, CC BY-SA 2.0

Dank virtueller Realität kann der Tatort genau erforscht werden

Die Wissenschaftler arbeiten dazu mit der Polizei von Staffordshire zusammen. Außerdem haben sie sich Game-Design-Experten ins Boot geholt, um mit ihnen zusammen ein VR-System zu entwickeln, mit dessen Hilfe Anwälte und Staatsanwälte den Richtern und den in Großbritannien am Verfahren beteiligten Geschworenen die Orte und einzelnen Stufen der Tat verdeutlichen zu können. Das System hat den großen Vorteil, dass nicht nur die Orte gezeigt werden können, sondern die Geschworenen genau sehen, wie sich die Tat abgespielt haben könnte.

Die Geschworenen können sich dabei wie in einem Videospiel frei am Tatort bewegen und umschauen. So können sie die Position von Beweisstücken und Personen visuell nachvollziehen und sich ein Bild von den Abläufen machen. Das Projekt wird von der Europäischen Kommission mit einer Förderung in Höhe von 182.000 Euro unterstützt.


Von besonderer Bedeutung ist die Kartographierung der unterschiedlichen Tatorten. Aktuell experimentieren die Forscher dafür mit Laserscannern und Drohnen. In Zusammenarbeit mit Forensikern sollen noch weitere Methoden erprobt werden. Außerdem wollen die Forscher Polizeibeamten darin schulen, Beweise und Indizien sowie deren Fundort genauer katalogisieren zu können. Das Projekt ist vorerst auf Staffordshire begrenzt, soll aber in Zukunft weiter ausgedehnt werden.

Wie genau solch eine Rekonstruktion aussehen könnte, zeigte im letzten Jahr die Journalistin Nonny de la Peña, die mit ihren Mitarbeitern den Tod des 17-jährigen Trayvon Martin im Jahre 2012 in der virutellen Realität rekonstruierte.

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1 Kommentar

  1. Christoph

    26. Mai 2016 at 19:27

    Bis das effektiv in Prozessen eingesetzt wird, werden wohl noch viele Jahre vergehen, aber dann steckt da enorm viel Potential drin. Beispielsweise können die Geschworenen, Zeugen etc. den Vorfall dort auch nachspielen. Man kann dann auch Lichtverhältnisse und Entfernungen gut nachvollziehen.

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