Im Rahmen der ersten Halleschen OP-Wochen können Medizin-Studenten erfahrenen Operateuren live bei ihrer Arbeit zuschauen. Insgesamt erstreckt sich die Wissensvermittlung der besonderen Art über acht Vorlesungen. Am Donnerstag endet das Pilotprojekt „Operation im Hörsaal“, welches schon jetzt für eine Menge Aufsehen und auch Zuspruch sorgt. Dabei werden die Eindrücke aus dem OP-Saal direkt auf die Leinwände in den Hörsaal projiziert. Mit Hilfe dieses neuen Verfahrens können folglich hunderte Studenten einer Operation beisitzen ohne die Ärzte vor Ort zu stören.


Hörsaal OP
Hörsaal OP „Hallesche OP-Wochen“ (Foto: Dietrich Stoevesandt)

Live OP der besonderen Art

Im Hörsaal 1 am Universitätsklinikum Halle verfolgen 130 Medizin-Studenten live Operationen über große Leinwände mit. Bevor die Gallenblasen-OP beginnt verständigt sich der Vorlesungsbegleitende Prof. Dr. Henning Dralle mit dem leitenden Operateur Dr. Phuong Nguyen Thanh über ein Headset. Nach dem Verständigungscheck geht es dann auch schon los. Insgesamt erstreckt sich dieses deutschlandweit einmalige Pilot-Projekt über acht Vorlesungen, die jeweils am Abend stattfinden. Die Studierenden können dabei typische Operationstechniken aus verschiedenen chirurgischen Fachrichtungen näher kennen lernen. Neben der Gallenblasen-OP stehen auch das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks und eine Bypass-Operation auf dem Programmplan.

Bevor die Operation startet, wird das jeweils behandelte Thema sorgfältig aufbereitet um somit auch den Lehrcharakter zu wahren und das Wissen bestmöglich zu vermitteln. Lehrbuchskizzen erläutern den theoretischen Verlauf der Operation, bevor der erste Schnitt getätigt wird. Das Verfahren sorgt vor allem bei den Erstsemester-Studenten für ein paar Skeptische Blicke. Der Mix aus vermittelnder Theorie und der blanken Praxis, wird allerdings von der breiten Studenten-Masse, den Professoren sowie von Ärzten begrüßt. Schließlich haben dem Bericht des Uni-Magazins Halle zufolge auch bereits praktizierende Mediziner viele chirurgische Standardoperationen im Berufsleben bisher noch nicht gesehen.


Hörsaal OP
OP im Klinikum Halle (Foto: Dietrich Stoevesandt)

„Wir wollen die Studierenden für die chirurgischen Fächer begeistern. In der Ausbildung bekommt man Operationen eher zufällig zugewiesen, die Halleschen OP-Wochen bündeln diese wichtigen OPs. Wir bieten hier Studierenden der Medizin, Zahnmedizin und Pflege- und Gesundheitswissenschaften zum ersten Mal die Möglichkeit, Operationen live im Hörsaal verfolgen zu können“, so Prof. Dr. Stefan Plontke, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und der Initiator der Halleschen OP-Wochen.

Seit einem Jahr plante Prof. Dr. Stefan Plontke die Live-Operationen. Es werden dabei echte Patienten operiert. Die OP selbst wird durch zwei Kameras aufgezeichnet. Zum einen handelt es sich dabei um die Saalkamera und zum anderem um die Kamera, die sich direkt am Endoskop befindet und somit auch Einblicke in das Innere gewährt. Nach diese Kamera-Bildern operiert übrigens auch der Arzt.

„Die Projektpartner aus den verschiedenen Bereichen haben schnell zugesichert mitzumachen. Am Anfang hatte ich nur große Bedenken, ob das technisch alles umsetzbar ist.“, führt Plontke fort. Jeweils zu Beginn und zum Ende einer jeden Live-Übertragung füllen die Studierenden einen Fragebogen aus, ergänzt Dr. Dietrich Stoevesandt, Leiter des SkillsLab im Dorothea Erxleben Lernzentrum und ebenfalls Mitglied im Plontke-Team.“

Pilotprojekt ist ein voller Erfolg

Die Halleschen OP-Wochen sollen dazu beitragen Lehre noch wirksamer zu gestalten. Das Pilot-Projekt ist dank sorgfältiger Planungen und Vorbereitungen der Studenten ein voller Erfolg. Jeder einzelne Handgriff des OP-Arztes wird mit Spannung mit verfolgt. Im Anschluss können Fragen an die Fachärzte gerichtet werden. In diesem Jahr ist die Veranstaltung lediglich für Medizin-, Zahnmedizin- und Pflege und Gesundheitswissenschaftsstudenten gedacht. Es ist allerdings durchaus möglich, dass im nächsten Jahr auch interessierte Studierende aus anderen Studiengängen einer Live-OP einmal beisitzen können. Studierende bezeichnen die Halleschen OP-Wochen als Vorlesung 2.0 und sind absolut begeistert.

Quelle: Hallesche OP-Wochen

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