Menschen, die von Geburt an blind sind, weil die Netzhaut keine Lichtsignale empfängt, können möglicherweise geheilt werden. Voraussetzung ist, dass die Nerven, die Signale ans Gehirn senden, die dieses bei gesunden Menschen als Bilder interpretieren, noch intakt sind. Forscher der Okayama University in der gleichnamigen japanischen Präfektur haben an Ratten mit Erfolg eine künstliche Netzhaut getestet. Sie reagierten auf Lichtblitze.

Bild: Eye, randychiu, Flickr, CC BY-SA 2.0

Farbstoff wandelt Licht in Strom um

Die Prothese besteht aus einem Farbstoff, der Licht in elektrische Signale umwandelt. Das Team um den Augenarzt Toshihiko Matsuo und den Kunststoffspezialisten Tetsuya Uchida brachte den Farbstoff auf eine hauchdünne Kunststofffolie auf. Es entstand eine künstliche Netzhaut in den Maßen ein mal fünf Millimeter, die sie zehn sechs Wochen alten Ratten implantierten. Zwei bis drei Wochen später erhielten die Ratten Elektroden, die die Gehirnströme in der Region registrieren, die für das Sehen zuständig ist. Tatsächlich maßen die Forscher Gehirnströme, wenn die Augen der – betäubten – Tiere mit Lichtblitzen einer weiß strahlenden Leuchtdiode gereizt wurden. Vom wirklichen Sehen dürften die so behandelten Ratten aber noch weit entfernt sein. Dazu muss die Auflösung der Prothese noch erheblich verbessert werden

Die erste integrierte künstliche Netzhaut

Erstmals ist es allerdings gelungen, eine Prothese der Netzhaut im Auge selbst zu platzieren. Bisher fungiert eine Kamera, die auf einem Brillengestell montiert ist, als künstliche Netzhaut. Die Bilder, die sie aufnimmt, werden in elektrische Signale umgewandelt und über Elektroden im Schädel ins Sehzentrum des Gehirns geleitet.

Der Farbstoff, den die Japaner einsetzen, ist ein organisches Molekül, das Licht direkt in elektrische Impulse umwandelt. Eine zusätzliche Stromquelle, wie sie die Kameramethode erfordert, ist nicht nötig. Die Kunststofffolie, auf der die Farbmoleküle sitzen, ist biokompatibel, wird also vom Körper nicht abgestoßen. Die Prothese trägt den Namen „Okayama University-type retinal prosthesis“.

 

via Okayama University

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2 Kommentare

  1. Christoph

    27. April 2017 at 21:16

    Tja, so ganz neu ist die Grundidee aber nicht. Es gibt ja bereits ein Implantat, dass auf der Netzhaut implantiert wird und mit dessen Hilfe sich Umrisse erkennen lassen. Ist nur die Frage, ob diese Methode hier besser ist. Würde mich natürlich freuen, wenn man damit Menschen helfen könnte. Ich selbst bräuchte aber eher etwas für einen defekten Sehnerv.

  2. Achmed Khammas

    4. Mai 2017 at 00:08

    Interesse an der Gesamtchronologie dieses Sektors? Dann hier weiterlesen: http://www.buch-der-synergie.de/c_neu_html/c_01_10_micro_energy_50_kontaktlins.htm

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