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HeLa: Diese Krebszellen wachsen seit 65 Jahren

Anfang 1951 geht die Amerikanerin Henriette Lacks in Baltimore zum Arzt. Nur acht Monate später verstirbt die junge Frau. Die Diagnose: Gebärmutterhalskrebs. Eigentlich ein Fall wie jeder andere, doch Henriette Lacks soll eine medizinische Sensation auslösen: Ihr Tumor wird in einem Labor gelagert, es entsteht die weltweit erste Zelllinie an Tumorzellen, die im Labor überleben und sich teilen. Und zwar bis heute.

Bis heute sind HeLa-Zellen einzigartig. Foto:  Multiphoton fluorescence image of cultured HeLa cells, NIH Image Gallery, Flickr, CC BY-SA 2.0

Bis heute sind HeLa-Zellen einzigartig. Foto: Multiphoton fluorescence image of cultured HeLa cells, NIH Image Gallery, Flickr, CC BY-SA 2.0

Krebszellen sorgen für medizinische Sensation

Dieser Tumor war anders als alle anderen. Er war so groß wie eine Münze, sehr lila und weich, dabei sind solche Tumore normalerweise hart”, schrieb der behandelnde Arzt Howard Jones über den Krebs seiner Patientin. Am 8. Februar vor 65 Jahren entnahm der Mediziner Henriette Lacks Zellen, die er an ein Labor schickte. Dort arbeitete sein Kollege George Grey, der die Zellen wie üblich in ein Gemisch aus Hühnerplasma, einem Extrakt aus Kalbsembryonen und Nabelschnurblut, legte und auf das Sterben des Gewebes wartete. Bis zu diesem Zeitpunkt war es nicht gelungen, Tumorzellen im Labor am Leben zu erhalten.

Die Zellen in einem Behälter mit der Aufschrift “HeLa”, den Anfangsbuchstaben der Patientin, hielten sich jedoch nicht an diese Konventionen. Sie überleben, und mehr noch, sie teilen sich fleißig. Bald sind es Millionen von Tumorzellen. Die Krebszellen von Henriette Lacks sind weltweit die ersten menschlichen Zellen, die sich in einem Labor vermehrt und über mehrere Tage überlebt haben. Dies macht es erstmals in der Geschichte der Medizin möglich, ausgiebig an menschlichen Zellen zu forschen.

HeLa wird zum Laborstandard

Und die Zellen wachsen bis heute weiter. Seitdem die Zellen im Labor gelagert werden, vermehren sie sich fleißig und werden an Wissenschaftler in aller Welt geschickt. Diese erforschen mit ihrer Hilfe Krankheiten wie Krebs, Kinderlähmung und Aids. HeLa-Zellen sind bis heute ein Standard in jedem Labor. Zwar gibt es inzwischen Hunderte anderer Zelllinien, aber die Zellen von Henriette Lacks sind auch heute noch sehr begehrt. Die Zellen teilen sich alle 24 Stunden, bei anderen Zelllinien dauert das deutlich länger. Was diese Zellen so besonders macht, ist bis heute unbekannt.

HeLa-Zellen sind unzählige Entdeckungen zu verdanken. So stellte der langjährige Vorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums, Harald zur Hausen, mit Hilfe von HeLa-Zellen die Verbindung zwischen den Papillomviren HPV16 und 18 und Gebärmutterhalskrebs her und entwickelte aus dieser Entdeckung einen Impfstoff. 2008 erhält zur Hausen dafür den Nobelpreis für Medizin.

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