Mediziner der Rockefeller University in New York haben zum ersten Mal in der Geschichte erfolgreich beim Menschen eine Immuntherapie gegen HIV getestet. Mit der Hilfe geklonter Antikörper, konnten die HIV-Viren im Körper abgetötet werden. Die Stärkung des Immunsystems ist ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung von HIV. Ein wichtiger Schlüssel wird jedoch noch benötigt um HIV final in den Griff bekommen zu können.


HIV-infizierte T-Zelle
Foto: HIV-ingected H9 T cell, NIAID, Flickr, CC BY-SA 2.0

Antikörper-Therapie ohne schwere Nebenwirkungen geglückt

Das gesunde Immunsystem eines Menschen kann auf den Einsatz der Antikörper bauen, die in der Regel auch stark genug sind Viren abzutöten. Bei einer Infektion mit dem HI-Virus werden jedoch gezielt die Zellen des Immunsystems angegriffen und zerstört. Kontinuierlich wird das Immunsystem geschwächt und auf lange Sicht hinweg außer Kraft gesetzt. Ohne funktionierendes Immunsystem, ist der Mensch anfällig für sämtlich Krankheiten und kann dabei schon bei einem, sonst harmlosen, Infekt sterben.

Jüngst haben Forscher im Rahmen einer kleinen Studie eine Immuntherapie erfolgreich beim Menschen angewendet. Bisher konnte man mit der Zugabe antiretroviraler Medikamente lediglich die Ausbreitung des HI-Virus hemmen. Mit der neuen Methode wird jedoch auch zusätzlich das Immunsystem gestärkt. Im Fachblatt Nature schreiben die Forscher von dem Erfolg, der in Zukunft die Prävention, Behandlung und auch Heilung von HIV prägen wird. Das Immunsystem wird durch die Behandlung wieder gezielt darauf getrimmt aggressive Viren, wie beispielsweise das HI-Virus, abzutöten.


Marina Caskey von der Rockefeller University in New York hat gemeinsam mit ihrem Team einen Antikörper aus dem Blut von Menschen isoliert und geklont, bei denen sich das Virus über einen längeren Zeitraum kaum vermehrte. Diese Gruppierung wird in Fachkreisen auch „Crontroller“ genannt. Das besondere an den Antikörpern der Controller ist, dass diese aufgrund der Entwicklung über die Jahre gegen HIV- Viren wirksam sind. Getestet wurde der Antikörper 3BNC117. Dieser blockiert die Stelle auf der Viruszelle, die normalerweise für das Andocken an Wirtszellen vorgesehen ist. „Das Besondere an diesen Antikörpern ist, dass sie sich gegen mehr als 80 Prozent der HIV-Stämme richten und extrem potent sind“, so Caskey in einem Zitat der Uni.

Insgesamt testeten die Wissenschaftler 17 HIV-Patienten und 12 Menschen, die nicht infiziert waren. Über einen Zeitraum von acht Wochen konnten keine schweren Nebenwirkungen bei den mit dem Antikörper behandelten Menschen festgestellt werden. Acht infizierte erhielten sogar die höchste Dosis mit 30 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Das Ergebnis nach der Behandlung war erstaunlich. Schon nach einer Woche sank die Menge der HI-Viren im Blut schon sehr deutlich. Bei vier Patienten konnte auch acht Wochen nach der Behandlung noch kein Anstieg auf das Ausgangsniveau festgestellt werden.

Bis zur Impfung gibt es noch einiges zu tun

Im Fazit zeigt sich, dass Antikörper gegen HIV beim Menschen einen therapeutischen Effekt herbeiführen können. Experten wie Klaus Überla vom Universitätsklinikum Erlangen betonen allerdings auch, dass ein Antikörper langfristig wirksam sein muss. Problematisch ist das Ganze allerdings unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass sich HI-Viren ständig verändern. „Ein Antikörper allein wird – ebenso wie nur ein Medikament – nicht ausreichen, um die Virenlast auf lange Sicht zu unterdrücken“, führt auch Caskey an. Eine Kombination mit Medikamenten oder anderen Antikörpern, könnte allerdings eine vollständige Kontrolle der Krankheit ermöglichen. Zuletzt kann auch die Wirkung der Antikörper durch molekulartechnische Eingriffe entsprechend gesteigert werden.

Die Wissenschaftler hoffen, dass die Antikörpertherapie eines Tages als Grundlage für die HIV-Impfung dienen kann. Unabhängige Forscher sehen das jedoch mit ein wenig mehr Skepsis. Schließlich müsste die Therapie die körpereigenen Antikörper dauerhaft dazu bringen, genau die eine Art der Antikörper, die den HIV-Virus bekämpfen, zu bilden. Wie eingangs bereits aufgezeigt wurde, geschieht das nur bei wenigen Menschen. Und selbst bei den Controllern dauert es Jahre, bis der Körper die passenden Antiviren produziert.

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