In Stuttgart hob heute das erste Passagierflugzeug mit Brennstoffzellen-Antrieb zu seinem Jungfernflug ab. Die HY4 wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR9 entwickelt (wir berichteten) und könnte künftig Fluggäste über kurze Entfernungen transportieren.


hy4
Foto: DLR – CC-BY 3.0

Jungfernflug in Stuttgart

Gegen 11:10 Uhr hieß es „Wheels up“ für das innovative DLR-Projekt. Beim ersten Flug wollte man es nicht übertreiben: Nach einer kurzen Platzrunde setzte das Flugzeug wieder zur Landung an, die es ebenso sicher und souverän wie den Start absolvierte. An Bord befanden sich zwei Piloten sowie zwei Dummys, die Passagiere simulierten.

Das Design der HY4 besteht praktisch aus zwei Segelflugzeugrümpfen mit jeweils einer Tragfläche, die durch eine Mitteltragfläche miteinander verbunden sind, die auch den Antrieb enthält. Angetrieben wird die HY4 von einem Elektromotor, der von einer Niedertemperatur-Wasserstoffbrennstoffzelle mit Strom versorgt wird. Die beiden Rumpfelemente bieten dabei je einem Piloten und einem Passagier Platz.


1500 km mit der Brennstoffzelle

Die HY4 hat eine Spannweite von mehr als 21 Metern und kommt auf ein Leergewicht (ohne Brennstoffzelle und Batterie) von 630 Kilogramm. Das maximale Startgewicht liegt bei 1500 kg.

Für den Vortrieb sorgt ein Motor mit einer Leistung von 80 kW, der seine volle Kraft aber nur für den Start entfalten muss. In der Reiseflugkonfiguration zieht der Motor eine Leistung von 26 kW und beschleunigt die HY4 dabei auf 165 km/h.

Das besondere an der HY4 ist natürlich die Brennstoffzelle. Diese liefert eine Leistung von 45 kW und wird mit Wasserstoff sowie Sauerstoff aus der Umgebungsluft betrieben. Bei Start und Landung wird die Brennstoffzelle von einem Lithium-Ionen-Akku unterstützt, der von der Brennstoffzelle geladen wird. Der Tank fasst 1,2 kg Wasserstoff und sorgt je nach Fluggeschwindigkeit und Höhe für eine Flughöhe von 750 und 1500 km.

Einsatz im Regionalverkehr

Entwickelt wurde die HY4 vom Institut für Technische Thermodynamik des DLR in Stuttgart in Kooperation mit dem slowenischen Flugzeughersteller Pipistrel, der DLR-Ausgründung H2Fly, der Universität Ulm, dem Flughafen Stuttgart und dem kanadischen Brennstoffzellenhersteller Hydrogenics.

Das etwas außergewöhnliche Design ist dem großen, schweren Antriebsstrang geschuldet. Dieser erfordert eine größere Spannweite. Die Segelflugzeugrümpfe weisen ausgezeichnete aerodynamische Eigenschaften auf, es lag also nahe, auf das Doppelrumpfdesign zurückzugreifen.

Mit der HY4 hat das DLR einen Grundstein für die Weiterentwicklung von Brennstoffzellen-Antrieben in der Luftfahrt gelegt. Bei der Entwicklung standen jedoch durchaus auch kommerzielle Anwendungsgebiete im Fokus: Flugzeuge wie die HY4 könnten in Zukunft im Regionalverkehr als Air Taxis eingesetzt werden.

via DLR

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