Eigentlich wurde Watson entwickelt, um die Frageshow „Jeopardy!“ zu gewinnen, aber der Supercomputer hat auch schon die Songtexte von Bob Dylan untersucht und sich mit dem Songwriter auch darüber unterhalten. Watson fasst alles Songs von Dylan wie folgt zusammen: „Die Zeit geht vorbei und die Liebe vergeht“. Aber bald muss man sogar Dr. Watson zu ihm sagen, denn er soll auch Diagnosen an einer Uniklinik stellen.


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Der deutsche Dr. House erhält Unterstützung

Ab Ende des Jahres soll Watson am „Zentrum für unerkannte und seltene Erkrankungen“ (Zuse) helfen. Die Einrichtung gehört zur Uniklinik Marburg. Aufgesucht wird das Zentrum von Menschen, die zuvor schon bei zig Ärzten waren und keiner so richtig feststellen konnte, was sie haben. Jeder Arzt ordnete mehrere Untersuchungen an, alle jedoch ohne große Erfolge. Die Krankenakten der Patienten sind bereits riesig und für Ärzte immer schwerer zu verstehen. Eine weitere Diagnose zu stellen -und das unter Ausschluss der bereits festgestellten Ergebnisse- erfordert dann schon eine Menge Zeit und manchmal sogar ein Superhirn in der Gestalt eines Dr. House.

IBMs Watson soll die umfassenden Krankenakten in Zukunft analysieren, auswerten und daraufhin auch selbst noch eigene Fragen an die Patienten stellen. Im Anschluss durchforstet der Computer dann Fachliteratur nach ähnlichen Mustern und liefert am Ende dann mehrere mögliche Diagnosen aus. Die Diagnosen werden mit einer entsprechenden Wahrscheinlichkeit ausgespuckt. Zum Schluss entscheiden dann wieder menschliche Ärzte über den weiteren Werdegang.


Mit Watson bekommt der deutsche Dr. House, Jürgen Schäfer, nun eine großartige Ergänzung zur Seite gestellt. „Viele unserer Patienten haben eine lange Krankengeschichte und bringen uns fünf Kilo schwere Dokumentenstapel von früheren Untersuchungen mit.“ erzählt der Experte vom Uniklinikum Marburg. In diesen Stapeln den richtigen roten Faden zu finden, gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Das kognitive System Watson soll dabei helfen, die Ursachen seltener Krankheiten schneller zu erforschen. Bereits 6.000 Menschen stehen auf der Warteliste. Da kommt auch auf den digitalen Assistenten eine Menge Arbeit zu.

IBMs Watson im Video

Um Watson bestens auf den bevorstehenden Einsatz vorzubereiten, haben die Wissenschaftler zunächst eine 12 monatige Testphase absolviert. Dabei wurde Watson mit bereits gelösten Fällen konfrontiert. Das was Watson dann lieferte, schien die Ärzte überzeugt zu haben, so dass der Assistent zum Einsatz kommen wird.

Sind Ärzte bald überflüssig?

Sollten die Entwicklungen der künstlichen Intelligenz weiter voranschreiten, lägen die Überlegungen nicht fern, das Ärzte bald ausgedient haben könnten. Bisher haben Schäfer und sein Kollegium vom Zuse jedoch keine Angst einmal gänzlich von Watson ersetzt zu werden. Vielmehr wird der Supercomputer als fleißiges Helferlein eingestuft, das die Fähigkeiten der Ärzte nicht ersetze und zudem auch nicht das Vertrauen der Patienten in die Künste vermindere. Schließlich treffe da auch der Vergleich mit Piloten ziemlich gut zu. Die Könige der Luft verlassen sich größetnteils und seit Jahren schon auf den Bordcomputer. Die Passagiere verfallen dadurch allerdings nicht in eine Vertrauenskrise. Im Gegenteil: Was wäre, wenn der Pilot während eines Fluges die Durchsage tätigen würde, dass er zur Verbesserung der Vertrauensfrage nun den Bordcomputer ausschalten würde?

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