Der Staat Belgien möchte mitten in der Nordsee eine künstliche Insel bauen, die als Pumpspeicherwerk für die umliegenden Windparks fungieren soll. Die belgische Regierung hat das Projekt auf den Namen “iLand” getauft und hofft, dass die Insel die Stromprobleme des Landes lösen kann.


Energieinsel
Vor der belgischen Küste soll ein Energiespeicherwerk in Inselform entstehen

Energiespeicherung mit Meerwasser

In Zukunft werden in der Nordsee vor der belgischen Küste Hunderte Windräder gebaut werden. Diese sollen sich auf fünf Windparks verteilen. Es liegt in der Natur der Windenergie, dass diese nicht allzeit verfügbar ist. Dafür wird teilweise aber auch mehr Energie produziert als benötigt. Das “iLand”-Projekt soll überschüssige Energie zwischenspeichern. Das Konzept eines Pumpkraftwerks ist relativ einfach: Nachts, wenn der Energiebedarf auf dem Festland verhältnismäßig gering ist und die Windparks nicht ausgelastet sind, wird die überschüssige Energie verwendet, um das Wasser aus der Mitte der ringförmigen Insel herauszupumpen. Dadurch entsteht ein bis zu 30 Meter tiefer Hohlraum – sozusagen ein Loch mitten im Meer. Wenn der Energiebedarf tagsüber wieder ansteigt, wird das Wasser durch Turbinen wieder in den Ring geleitet und dabei Strom erzeugt.

Erstes Kraftwerk dieser Art

500 Megawatt Energie wird die Insel im Meer über eine Dauer von vier Stunden produzieren können, so Bart Tommelein, der für die Nordsee zuständige Staatsekretär der belgischen Regierung. Dies entspricht immerhin etwa einem Drittel der Leistung eines durchschnittlichen Atomkraftwerks.


Das Kraftwerk wäre das erste seiner Art im Meer. Bisher werden vor allem Pumpspeicherkraftwerke gebaut, bei denen das Wasser bergaufwärts gepumpt wird und dann durch Turbinen ins Tal schießt.

Momentan wird an einem Plan für die Energiespeicherung gearbeitet. In den nächsten Wochen will die belgische Regierung entscheiden, ob sie den Bau von “iLand” genehmigen wird.

Steigender Energiebedarf muss gedeckt werden

Des Weiteren wird an der Speicherung von Strom in Form von Gas geforscht. In Deutschland läuft bereits ein sogenanntes Hybridkraftwerk, ein weiteres ist gerade in China in der Planung. Doch auch im Bereich Windenergie wird kräftig ausgebaut, wie die Planung von fünf weiteren Windparks beweist. Momentan kann auch in Belgien die Energie der Windparks noch direkt ins Netz gespeist werden, da noch keine überschüssige Energie entsteht, die gespeichert werden müsse, erklärt Holger Rogall, der Professor für nachhaltige Ökonomie an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin ist. In den nächsten Jahrzehnten könne sich das aber ändern, sodass auch Speichermöglichkeiten benötigt werden.

Effizienz Speicherformen Energie
Die Effizienz verschiedener Speicherformen für Energie im Säulendiagramm

Ob Speicherkraftwerke wie das “iLand” jedoch die Lösung sind, ist noch nicht sicher. Eine Milliarde Euro soll das Projekt verschlingen, aus wirtschaftlicher Sicht natürlich erstmal ein Verlustgeschäft. Hinzu kommen Herausforderungen wie das aggressive Salzwasser und Springfluten. Dennoch seien derartige Projekte sehr wichtig, um neue Speicherformen zu erproben, so Royal.

Kritiker scheuen Kosten und befürchten folgen für das Ökosystem

Vor Ort gibt es jedoch noch mehr Kritik. Der Oppositionspolitiker Jean-Marie Dedecker rechnet mit Kosten von bis zu 8 Millionen Euro pro Jahr und nennt das Projekt ein “finanzielles Perpetuum Mobile”. Im belgischen Magazin Knack zieht er über die Pläne her und bezeichnet sie als „Goldgrube für Baggerfirmen.

Hinzu komme, dass bei weitem noch nicht ausreichend erforscht sei, welche Auswirkungen das “iLand” auf das Ökosystem haben könnte. Beim Befallen und Entleeren des Bassins entstehen starke Strömungen, die sich negativ auf das marine Leben in der Region auswirken könnten.

Des Weiteren fürchten Anwohner, dass die Meeressilhouette durch “iLand” verschandelt werden könnte. Das Projekt soll nur drei Kilometer von der Küste entfernt vor dem Badeort Wenduine aufgeschüttet werden. Mit 10 Meter Höhe, 1,5 km Länge und 2,5 km Breite dürfte “iLand” auch nur schwer übersehen werden können.

Energieinsel
So sähe die Insel vom Strand aus aus.

Die belgische Regierung bzw. Staatssekretär Tommelein versichert, er habe Verständnis für die Sorgen der Kritiker. Sollte das Projekt genehmigt werden, würde vor Baubeginn ein ausführliches Umweltgutachten erstellt werden. In Betrieb würde die Insel dann im Jahr 2021 gehen.

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1 Kommentar

  1. Achmed Khammas

    4. Juli 2015 at 01:42

    Es wäre toll, wenn dieses Projekt umgesetzt wird – um Erfahrungswerte zu gewinnen.

    Es gibt weitere ähnliche Konzepte, die ich gegenwärtig noch unter dem Oberbegriff Pumpspeicherkraftwerke behandle:

    http://www.buch-der-synergie.de/c_neu_html/c_06_04_wasser_meerstauwerk_speicher_gletscher.htm#Pumpspeicherwerk

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