Leider sind auch heute Impfungen noch ein Thema, das neben einer breiten Befürwortung eben auch Gegner findet. Und dass, obwohl die Wirksamkeit der gängigen und von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen wissenschaftlich erwiesen ist und beispielsweise eine bessere Compliance in Impfsachen die Masernausbrüche der letzten Jahre (speziell in Berlin) aller Wahrscheinlichkeit nach verhindert hätte. Impfungen unterbinden den Ausbruch von Krankheiten, die teilweise noch im letzten Jahrhundert zahlreiche Todesopfer forderten. Aber auch bestehende Impfungen können noch weiter verbessert werden – vor allem in Sachen Distributionsform gibt es noch einiges zu tun. Die gängige Methode der intramuskulären Injektion ist vor allem für Entwicklungsländer nur bedingt geeignet. Viele Impfstoffe müssen gekühlt transportiert und von ausgebildetem Personal verabreicht werden. Gelänge es, die Impfungen in Pulverform zu verabreichen, wäre dies ein deutlicher Schritt nach vorne – und für den Rotavirus steht dies kurz bevor. So könnten jährlich etwa 100.000 Kinderleben gerettet werden.


Spritze mit zwei Tropfen
Foto: Syringe With 2 Drops, ZaldyImg, Flickr, CC BY-SA 2.0

Rotavirus kostet jährlich das Leben von 200.000 Kindern

Der Rotavirus ist speziell in Entwicklungsländern noch stark verbreitet und fordert pro Jahr das Leben von 200.000 Kindern. Der Krankheitsverlauf zeichnet sich vor allem durch starken Durchfall aus, der zu Dehydrierung führt, die letztlich so stark werden kann, dass sie zum Tod führt. Zwar gibt es bereits Impfungen gegen den Rotavirus, aber neue, orale Impfstoffe in Pulverform würden einen Wendepunkt bedeuten, speziell in den Gegenden, in denen eine Impfung dringend benötigt wird.

Der gekühlte Transport von Impfstoffen stellt vor allem in Afrika ein massives Problem dar, da die Impfstofftransporte zwischen den einzelnen Dörfern oftmals Hunderte von Kilometern zurücklegen müssen. Flüssigimpfungen sind aktive Proteine, die für ihre Wirksamkeit ein bestimmtes Temperaturband benötigen – auch beim Transport. Werden sie zu warm oder zu kalt transportiert, verlieren sie ihre Wirksamkeit.


Impfungen in Pulverform als Wendepunkt

Die neue Form der Rotavirus-Impfung kennt dieses Problem so nicht und kann deshalb auch in Gegenden eingesetzt werden, wo es keine oder nur unzureichende Möglichkeiten gibt, Flüssigimpfungen für den Transport zu klimatisieren. Entwickelt wurde die Pulverimpfung von Wissenschaftlern des Serum Institute of India. Diese setzten einen Gefriertrocknungs-Prozess mit flüssigem Stickstoff ein, bei dem das Wasser aus dem Impfstoff mit Hilfe eines Vakuums entfernt wurde. Das trockene Pulver, das dabei entsteht, ist extrem haltbar und temperaturunempfindlich und kann so absolut problemlos transportiert werden. Für die Impfung muss das Pulver lediglich in Salzwasser aufgelöst und dann oral eingenommen werden. Dies minimiert auch mögliche Impfschäden, die bei intramuskulären Impfungen durch nicht oder schlecht ausgebildetes Personal auftreten können.

Der pulverförmige Impfstoff befindet sich aktuell im Zulassungsprozess durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Erste Tests fanden bereits 2014 mit 3500 Probanden im Säuglingsalter in Niger statt. Nach drei Impfungen gingen die Rotavirus-Erkrankungen unter den Probanden um zwei Drittel zurück.

Die Methode kann selbstverständlich auch für andere Impfstoffen angewendet werden, wobei diese natürlich jeweils einzeln erprobt und zugelassen werden müssten.

via NPR Science

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