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Insurtech-Unternehmen wollen Versicherungen in Zukunft kundenfreundlicher gestalten

Als Ottonormalverbraucher ist man mit den Konditionen einzelner Anbieter von normalen Hausratversicherungen schon regelmäßig überfordert. Ohne eine gescheite Beratung kann man da als Laie auch ziemlich schnell einen Fehlgriff landen. Durchaus ist der Versicherungsmarkt sehr sehr dicht besetzt und hier herrscht reges Konkurrenz-Klima. Oftmals bleibt der Kunde im Wahn der Vertragsabschlüsse und dem Kassieren von Provisionen regelmäßig auf der Strecke. Insurtech-Unternehmen wollen diesen Missstand in Zukunft ändern und mit der Kombination aus Versicherungen und Technologie den Kunden wieder mehr in den Mittelpunkt stellen. Es geht dabei unter anderem um auf die Bedürfnisse und die Lebensgewohnheiten des Einzelnen spezielle angepasste Versicherungen. Der Kunde zahlt faktisch nur das, was für diesen in Frage kommt und kann die Beitragshöhe sogar durch Alltagsgewohnheiten selbst beeinflussen. Dabei haben sich bereits im Laufe der Zeit und zuletzt auch dank der Innovationskraft zielstrebiger Startups wie beispielsweise Friendsurance so manch interessante Insurtech-Modelle ergeben, die wir euch in diesem Beitrag einmal vorstellen wollen.

Insurtech Versicherungen

Neue Versicherungszweige helfen beim Geldsparen und erhöhen den Grad an Flexibilität

Vor mehr als fünf Jahren hat sich der Pionier im Hinblick auf der Etablierung eines der ersten Peer-to-peer-Versicherungsmodelle, Friendsurance, als Startup auf die Fahne geschrieben den Versicherungsmarkt in Zukunft zu verändern. Mittlerweile hat sich unter der Oberbezeichnung Insurtech, der sich aus den Wörtern Insurance und Technology zusammensetzt, ein eigenständiger Industriezweig entwickelt, der stetig wächst. Allein im Jahr 2015 sind über 800 Millionen US-Dollar in Versicherungs-Startups geflossen. Hier ist also ein deutlicher Trend spürbar. „Insurtech ist kein kurzfristiges Phänomen. Wir gehen davon aus, dass Insurtech-Unternehmen in den kommenden Jahren wesentlich dazu beitragen werden, Versicherungen kundenfreundlicher zu gestalten.“ erklärt Tim Kunde, Gründer und Geschäftsführer von Friendsurance. Innerhalb der mittlerweile schon zahlreich vertretenen Insurtech-Unternehmen haben sich jeweils auch wieder Unterzweige gebildet. Das klingt zunächst ziemlich komplex, es lohnt sich jedoch hier einmal ein wenig Zeit zu investieren und sich die einzelnen Modelle wenigstens überblickshalber anzuschauen. Friendsurance hat dafür eine recht informative Infografik zusammengestellt, die einen kleinen Überblick darüber verschafft, welche Bereiche sich bereits etablieren konnten und welche internationalen Anbieter man definitiv im Auge behalten sollte.

Insurtech

Die am schnellsten wachsenden Insurtech-Unternehmen 2016 (via Friendsurance)

Gemeinsam sparen und kompensieren: Peer-to-Peer Insurance

Peer-to-Peer kennen einige bereits aus der Wirtschaft. Peer kommt aus dem Englischen und heißt „Gleichgestellter“ oder „Ebenbürtiger“. Also zwei Vertragspartner oder eine Gruppe von Vertragspartnern auf gleicher Höhe. Bei den Peer-to-peer-Konzepten wird folglich ein Versicherungsvertrag auf Gegenseitigkeit vereinbart. Eine weitere Besonderheit ist, dass dabei Versicherte in Gruppen zusammengeschlossen und Versicherungsbeiträge in einem gemeinsamen Pool gesammelt werden. Das bringt für den einzelnen Versicherungsnehmer durchaus lukrative Vorteile mit sich. So werden die Beträge bei Schadensfreiheit reduziert und in Schadensfällen unterstützt man sich gegenseitig. 2010 wurde das erste Peer-to-Peer-Versicherungskonzept realisiert. Unternehmen wie Friendsurance bieten dabei sogar Beitragsrückzahlungen für Elektronik-, Hausrat-, Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen an.

Für Gesundheitsfans: Health Insurance

Auch im Gesundheitsbereich haben sich unter dem Schirm „Health Insurance“ vermehrt Insurtech-Unternehmen eingefunden, die neue und kostengünstige Möglichkeiten für Versicherte mit dem Fokus auf die Gesundheitsvorsorge bieten. Wir kennen das bereits von einigen Krankenkassen, die Fitness-Wearables wie Smartwatches oder Fitness-Armbänder subventionieren und bei Einhaltung gewisser „sportlicher Meilensteine“ mit Bonusprogrammen entschädigen. Wer sich an die „Regeln“ hält, was im Kern einfach überhaupt ein wenig Sport zu treiben bedeutet, um eine gewisse Grundfitness zu bewahren, der zahlt unter Umständen sogar weniger. Ähnlich wird das Ganze auch bei Health Insurance Unternehmen wie dem amerikanischen Startup Oscar gehandhabt. So werden die von Wearables gesammelten Gesundheitsdaten genutzt um unter ärztlicher Beobachtung, die dank moderner Vernetzung ermöglicht wird, die Gesundheit auf einem gewissen Level zu halten oder gar zu steigern. Dabei kann der Versicherte beispielsweise an Bonusprogrammen teilnehmen und den Krankenversicherungsbeitrag durch besondere Fitnessleistungen schmälern. Einige Versicherer bieten dafür auch passende Apps, die sogar eine virtuelle Gesundheitsberatung anbieten und zudem Ärzte in der unmittelbaren Umgebung vorschlagen.

Für Smartphone Nutzer: eCommerce Insurance

Eine Versicherung für das Handy? Das wurde zu Zeiten der guten alten Nokia 3210 und Co Modelle noch ziemlich belächelt. Mittlerweile kosten Smartphones teilweise mehr als Laptops. Fällt das iPhone ungünstig und landet auf dem Display, kann eine Reparatur teuer werden. Nahezu ausnahmslos werden neue Modelle auch zur Reparatur gegeben, einfach ein neues iPhone kaufen ist nicht drin, die Geräte kosten schließlich ohne Vertrag 600 Euro und mehr. Es bietet sich also nahezu schon an auch hier über eine Versicherung nachzudenken, die normale Hausrat deckt Smartphone und Laptopschäden regelmäßig nicht ab. Unternehmen mit dem Fokus auf eCommerce Insurance bieten dafür maßgeschneiderte Versicherungen die Verbrauchern Schutz für die mobilen Endgeräte bieten und dass über den einfachen Herstellerschutz hinaus. Unternehmen wie Schutzklick, Squaretrade oder Upsie versichern neben Smartphones und Laptops auch TV-Geräte, Wearables und Tablets. Abgedeckt sind nicht nur Beschädigungen, sondern auch der Fall eines Diebstahls sowie Bruch- und Wasserschäden.

Kurzzeit-Versicherungen: Spot Insurance

Ebenfalls recht interessant sind die Leistungen der Anbieter aus dem Spot Insurance Bereich. Im Kern handelt es sich dabei um Unternehmen, die Kurzeit-Policen anbieten, die einen ziemlich hohen Grad an Flexibilität einräumen. Der Nutzer kann sich daher situationsbedingt und über einen relativ kurzfristigen Zeitraum entsprechend gut absichern. Sinnvoll sind beispielsweise ein 24 Stunden Drittfahrerschutz, wenn das Auto oder Motorrad beispielsweise kurzfristig an einen Freund verliehen wird. Weitere recht häufig beanspruchte Leistungen sind eine Diebstahlversicherung über 12 Monate für den Kinderwagen oder ähnliche Konstellationen.

Für Autofahrer: Usage Driven Insurance

Autofahrer sind bei Usage Driven Insurance Angeboten gut beraten. Hier wird man unter anderem belohnt, wenn das Auto auch mal stehen bleibt und weniger Kilometer im Jahr gefahren werden. Generell findet der Kfz-Nutzer hier Versicherungen die an das Nutzungsverhalten angepasst werden können. Das äußert sich dann regelmäßig in günstigeren Angeboten. Versicherer wie Boughtbymany fallen ebenfalls in den Bereich, wählen dabei aber ein anderes Modell. Schließlich fasst der Anbieter verschiedene Versicherte in entsprechende Risikogruppen zusammen, was am Ende auch zu einem günstigeren Tarif für alle führt. Als Beispiel können hier unter anderem Hausrattarife genannt werden, die speziell auf Bewohner angepasst sind, die in Hochwassergebieten leben.

Contract Management/Brokerage

Unternehmen aus dem Bereich Contract Management/Brokerage werden auch als Fintech-Unternehmen (Finanztechnologie) gehandelt und kümmern sich hauptsächlich darum, dass die Kunden Versicherungen einfacher verwalten können. Dabei wird sich neuen Technologien bedient, wie etwa Apps mit denen die Kunden die einzelnen Verträge auf dem Smartphone einsehen und mobil auch anpassen können. Einige Unternehmen bieten auch Beratungsleistungen an, die einem Makler in nichts nach stehen.

Zugegeben, zunächst wird man erst einmal erschlagen von Eindrücken, wenn man sich mit dem Thema Insurtech einmal auseinandersetzen möchte. Konkret haben sich in diesem Bereich allerdings schon recht interessante Anbieter angesiedelt, die durchaus frischen Wind in den recht eingestaubten Versicherungsmarkt bringen.

1 Kommentar

  1. Im Westen nichts Neues. Im Grunde decken die digitalen Unternehmen alles ab, was die normale Versicherungswirtschaft auch bietet, von der klassischen Versicherungsidee (Peer-to-Peer) bis hin zur totalen Verwässerung (Usage-Driven-Insurances). Klingt nur alles etwas fancy. Das einzige spannende ist, dass es online mittlerweile eine Beratung wie beim Makler geben soll.

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