Die Automatisierung von Eigenheimen schreitet immer weiter voran. Zentrale Schaltstellen verknüpfen alle möglichen Gerätschaften, die über einen Netzanschluss verfügen, wie etwa Lampen, Sicherheitssysteme, Waschmaschinen, Kühlschränke etc. Man spricht diesbezüglich auch vom “Internet der Dinge”, wobei dieses natürlich nicht nur Heimautomatisierung umfasst. Was geschieht aber, wenn der Hersteller diese Schaltzentralen praktisch abschaltet, also nicht mehr unterstützt? Dann sitzt der Hausbesitzer mit seiner modernen Automatisierung ziemlich auf dem Trockenen.


Foto: Nest/Revolv
Foto: Nest/Revolv

Das Ende von Revolv

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Heimautomatisierungshub Revolv von der Alphabet-Tochter Nest. Dieser kam 2013, also vor nicht allzulanger Zeit, auf den Markt und wird herstellerseitig am 15. Mai dieses Jahres abgeschaltet. Revolv verschaltet in einem automatisierten Eigenheim die einzelnen Bestandteile, je nach Konfiguration und Kompatibilität der Komponente können die Hauseigentümer so Lampen, Heizung und sogar die Kaffeemaschine über das Internet bedienen. Nest übernahm den Hersteller von Revolv Ende 2014 und stellte kurz darauf den Verkauf des Gerätes ein.

Logischerweise trifft die Abschaltung von Revolv bei den Besitzern des Geräts nicht gerade auf Gegenliebe. Ganz besonders ereifert sich der Unternehmer Arlo Gilbert aus Austin, Texas. In einem Blogbeitrag macht er seinem Unmut Luft. Das Gerät, dass vor knapp 3 Jahren für 300 US-Dollar kaufte, sei nun bald praktisch wertlos. Außerdem muss sich der Texaner um Ersatz kümmern, wenn er nicht will, dass sein Haus ab dem 15. Mai dunkel bleibt.


Das Internet der Dinge ist verbesserungsbedürftig

Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist die Entscheidung von Nest verständlich. Revolv war nie ein großer Verkaufserfolg, und wegen der Einstellung des Verkaufs wurde die Software von Revolv seit einem Jahr nicht mehr aktualisiert, sie stellt somit ein potentielles Sicherheitsrisiko dar. Das Problem an der Sache ist aber: Für gewöhnlich lassen sich Geräte noch weiter benutzen, wenn ihr Support ausläuft. Auch mit einem iPhone von 2007 kann man – vorausgesetzt, die Hardware ist in Ordnung, noch telefonieren. Im Fall von Revolv werden aber die Server abgeschaltet, was dazu führt, dass das Gerät komplett unbrauchbar wird.

Dass einzelne Produktlinien eingestellt werden und nicht mehr erhältlich sind, ist völlig normal. Das Schicksal von Revolv zeigt aber zwei Besonderheiten auf, die für das Internet der Dinge gelten.

Zum zeigt sich, wie kurzlebig die Branche ist. Startups schießen wie Pilze aus dem Boden und können hoffen, eines Tages für viel Geld den Besitzer zu wechseln. Oft wird dabei aber nur das Team samt Know-How aufgekauft, die Produkte bleiben dabei nicht selten auf der Strecke. Im Dschungel der verschiedenen Ideen zu einer vernetzten Zukunft stellt niemand die Frage nach der Nachhaltigkeit der Produkte.

Zum anderen wird deutlich, dass das Internet der Dinge dringend einen gemeinsamen Standard braucht. Momentan konkurrieren Dienste, Plattformen und Standards miteinander und sind oft nicht untereinander austauschbar, sodass das für teures Geld erworbene Gerät möglicherweise deutlich kürzer funktioniert als angenommen. Ein gemeinsamer Standard würde der Branche gut tun und dem Verbraucher mehr Stabilität vermitteln.

Die Entwicklung hin zu mehr Vernetzung von Alltagsgegenständen war absehbar und ist auch praktisch. Doch momentan ist das “Internet der Dinge” eindeutig noch in einer Early-Adopter-Phase. Wer auf den Zug aufspringen will, muss damit rechnen, dass es zu Problemen kommt.

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