Vor drei Jahren stellte die Bundesregierung ihre Digitale Agenda vor. Ein enthaltenes Ziel war, dass bis 2018 alle Haushalte einen Breitbandanschluss besitzen, also einen Internetanschluss mit einem Download von mindestens 50 Megabit pro Sekunde. Das Jahr 2018 steht nun kurz bevor. Und während viele Städte das Ziel erreicht haben, haben die Bewohner von ländlichen Gebieten oft das Nachsehen. Hinzu kommt: Mit schnellerem Fortschreiten der Digitalisierung verkommt das Ziel von mindestens 50 Megabit Downstream pro Sekunde in jedem Haushalt zu einem bloßen Zwischenschritt.


80 Prozent der Haushalte haben einen Breitbandanschluss

Nach Informationen der Bundesnetzagentur werden zum Jahreswechsel etwa 80 Prozent aller deutschen Haushalte über einen Breitbandanschluss verfügen. Zu verdanken ist das vor allem den Anbietern von Internet über den Kabelanschluss sowie der Vectoring-Technologie, bei der die Deutsche Telekom Verteilerkästen an den Straßen an das Glasfasernetz anschließt.


In den ländlichen Gebieten sieht es aber weiter schlecht aus: Nur 36 Prozent der Haushalte können dort mit mindestens 50 Megabit pro Sekunden surfen. Der Breitbandausbau geht vor allem in dünn besiedelten und hügeligen Gebieten mit hohen Kosten einher. In Deutschland läuft der Breitbandausbau also schleppend. Großbritannien möchte übrigens in absehbarer Zeit das Recht auf Zugang zu einem Breitbandanschluss rechtlich kodifizieren.

In Sachen Gigabit-Netz ist Deutschland europäisches Schlusslicht

Auf längere Sicht gesehen sind 50 Megabit pro Sekunde aber bereits problematisch. Immer mehr Menschen streamen Filme, chatten per Videochat oder nutzen andere Anwendungen, die viel Bandbreite benötigen. Hinzu kommen Unternehmen, die ihre IT-Systeme an eine Cloud anbinden und immer mehr Maschinen vernetzen. „Wir müssen in Zukunft weiter denken als nur bis zu dem 50-Megabit-Ziel“, so Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Vor diesem Hintergrund legte die Bundesnetzagentur nach: Bis zum Jahr 2025 möchte sie ganz Deutschland mit Gigabit-Geschwindigkeit ans Netz bringen. Aktuell ist die nur mit Glasfaseranschlüssen möglich – und das nur in drei Millionen Haushalten, von denen 750.000 einen entsprechenden Tarif gebucht haben. Schlechtere Quoten weist kein anderes Land in Europa auf.

Der Breitbandausbau ist problematisch

Aus Sicht der Bundesregierung wird ein flächendeckender Glasfaserausbau etwa 80 Milliarden Euro kosten. Dem stehen aktuell vier Milliarden Euro Fördergelder seitens des Bundes gegenüber, die allerdings in Prozessen vergeben werden, die Jahre in Anspruch nehmen.

Und die Kosten für den Ausbau steigen. Laut den Angaben regionaler Betreiber von Glasfasernetzen lassen sich kaum noch Tiefbauunternehmen finden. Und die, die es gibt, haben ihre Preise innerhalb des letzten Jahres um 16 Prozent erhöht. Die Telekom beschäftigt für den Breitbandausbau Arbeiter aus Spanien und Weißrussland.

Neben mehr Fördergeldern sind also noch andere Maßnahmen vonnöten, um den Breitbandausbau in Deutschland voranzutreiben. Die neue Bundesregierung wird sich Gedanken darüber machen, wie sie den Ausbau erleichtern und finanzieren möchte. Hinzu kommt die Problematik, dass der deutsche Staat immer noch 30 Prozent der Telekom-Anteile hält und somit eine Doppelrolle innehat: Einerseits soll er über die Bundesnetzagentur die Telekom regulieren, andererseits aber profitiert der Staat direkt davon, wenn das Unternehmen hohe Gewinne macht. Strittig ist auch die Frage, ob die Telekom die neuen Glasfasernetze auch wie die alten Kupferkabel an Unternehmen wie 1&1 vermieten muss – und zu welchen Preisen das geschehen soll.

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