Niek-Jan van Damme, seines Zeichens Chef der Telekom-Deutschland, räumte in der letzten Woche ein, dass der Ausbau des Internetangebots von Fiber To The Home (FTTH) für jeden viel zu teuer und auch aus logistischen Gründen nahezu unmöglich sei. Angela Merkel hingegen möchte für den Ausbau des Glasfasernetzes bis 2025 stolze 100 Milliarden zur Verfügung stellen und ist dabei guter Dinge. Am Ende möchte der Verbraucher jedoch nur eines, und das ist schnelles Internet. Wo das nun konkret herkommt, ist ihm relativ egal. In Zukunft soll das Angebot aus einer Kombination von Mobilfunk, Glasfaserkabel und Kupferleitungen bestehen. In Wien ist man schon einen kleinen Schritt weiter. Hier wird auf Tiefgrabungen alsbald gänzlich verzichtet und das Internet per Laser über die Hausdächer verteilt.


Via: University College London

Die Zukunft des Internetausbaus in Deutschland

Eine schnelle Internetverbindung gehört mittlerweile zum Anspruch eines jeden und auch das Zeitalter der Digitalisierung setzt diesen voraus. Geballte Datenmengen in wenigen Sekunden über eine große Strecke versenden zu können, ist bereits kein Hexenwerk mehr. Aber in Zukunft werden die Datenmengen wachsen. Und auch diese gilt es in gewohnter Geschwindigkeit zu transportieren. In nicht allzu großer Ferne, wird die Datengeschwindigkeit auch eine Art Lebensversicherung sein. Denken wir nur an das autonome Fahren. Um selbstständig fahrende Autos, LKWs und Züge sicher durch die Welt navigieren lassen zu können wird der Austausch von einer Fülle von Echtzeitdaten benötigt. Der Ausbau des Breitbandinternets und auch die Gewährleistung eines flächendeckenden Highspeed-Netzes ist also weiterhin ein wichtiger Bestandteil für zukünftige Unternehmungen.
Was der Industrie nach wie vor Kopfzerbrechen bereitet, tangiert den Ottonormal User nur peripher. Denn diesem ist nur wichtig, dass er eine schnelle Verbindung erhält und nicht welche Technologie dahinter steckt. Und natürlich sollen der Preis und die Leistung sich decken. Dafür reicht ein kurzer Abstecher zu vertrauten DSL Angeboten schon aus.

Ganz so einfach ist es für die Ausweitung der Digitalisierung in Deutschland jedoch nicht. Hier wird eine Menge Geld in die Hand genommen, um den Breitbandausbau voranzutreiben. Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig kündigte jüngst an, zusätzliche Millionen Investitionen für die zunehmende Digitalisierung des Bundeslandes zu tätigen. Denn wo schnelles Internet breit verfügbar ist, siedeln sich schließlich auch vermehrt große Firmen und auch Start-ups an. Eine gute Infrastruktur ist Nährboden für den Ausbau der so wichtigen Digitalisierung. Die Länder wollen dabei ihre Chance nutzen und Freiraum für neue Ideen und optimale Bedingungen für kreatives Arbeiten schaffen. Mecklenburg-Vorpommern sicherte sich einst schon den Bärenanteil der vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel für den Ausbau schneller Internetverbindungen. Das waren immerhin 832 Millionen Euro. Zusätzlich gab es noch einmal 500 Millionen Euro vom Land und nun folgen noch einmal 10 Millionen Euro. Die Summen zeigen, welchen Kraft- und Mittelaufwand die Digitalisierung erfordert.


Laser Internetspeed

Telekom stößt an die Grenzen

Mit 430.000 Kilometern Glasfaserkabel verfügt die Deutsche Telekom mit Abstand über das größte Glasfasernetz in Deutschland. Jährlich wird eine Zunahme um mehrere 10.000 Kilometer verzeichnet. Allein im letzten Jahr hat die Deutsche Telekom hierfür fünf Milliarden Euro investiert. Die neue Fiber To The Home Technologie für alle zu realisieren und das Vectoring damit zu ersetzen, sei dennoch nahezu unmöglich. Wenn man alle Haushalte anschließen wollen würde, müsste man mindestens weitere 80 Milliarden Euro investieren. Und selbst wenn das Geld da sein würde, gäbe es nicht die vorausgesetzten Tiefbaukapazitäten. Es müsste faktisch jeder Vorgarten aufgegraben werden.

Glasfaser bis in die Wohnung per Laser

Laut dem letzten Geschäftsbericht der Telekom konnte die Zahl der mit Vectoring- und Glasfaseranschlüssen versehenen Haushalte auf 8,2 Millionen gesteigert werden. Somit versorgt allein die Telekom 20 Prozent aller deutschen Haushalte mit schnellem DSL. Eine Lösung für die aufgeführten Probleme im Hinblick auf die Ausweitung der Glasfaser-Anschüsse könnte allerdings aus Österreich kommen. In Wien wird im Rahmen eines Pilotprojekts nun begonnen, das Internet per Laser zu übertragen. Die Schuhkarton großen Sender und Empfänger sollen auf den Häuserdächern installiert werden. An diesen gehen dann die Glasfaser entlang und reichen bis in die Wohnung oder das Büro. Damit werden teure Grabungsarbeiten vermieden. Als Vermarkter der Technologie tritt zunächst die Firma D-Light in das Rampenlicht. Das kurzfristige Ziel lautet bis 2018 ca. 350.000 Nutzer mit der „Fiber in the Air“- Technologie zu versorgen. Die Übertragungsgeschwindigkeit soll hier bei bis zu 1000 Mbits/s liegen. Die neue Technologie könnte also einen kleinen Meilenstein für die Zukunft bedeuten.

autonomer Audi RS7

Merkel erklärt Digitalisierung zur Chefsache

Laut Angela Merkel ist das Thema Digitalisierung bereits zur Chefsache avanciert. „Wir werden bis 2023, 2025 100 Milliarden Euro investieren in diesem Bereich und in den Gigabit-Bereich vorrücken“, kündigte die CDU-Vorsitzende am Mittwoch auf dem Berliner Bauernmarkt an. Bei den Anschlüssen ginge es nicht nur um Privat-Wohnungen, sondern auch um Gewerbegebiete und auch Schulen. „Wir werden zwischen 2018 bis 2023/2025 die Verfügbarkeit von Gigabit-Breitband überall gewährleisten müssen.“, führt Merkel fort. Es ist dabei auch darauf zu achten, dass wichtige Trassen mit noch leistungsfähigerem Internet ausgestattet werden. Stichwort sei auch hier das autonome Fahren mit hohem Echtzeitdaten-Bedarf. Zudem ist eine europäische Anbindung unabdingbar. Geld für den Breitbandausbau fließt auch hier. Allerdings sind die Genehmigungsverläufe vorantreibender Projekte aufgrund von EU-Vorschriften noch recht langwierig. Auch die Planungskapazitäten, deren erzwungene „Überhitzung“ nur die Preise empor treiben würde, müssen für einen reibungslosen Abfluss der Investitionen Ausgebaut werden.

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