Wer in China das Internet nutzen will, der muss mit zahlreichen Einschränkungen rechnen. Neben Facebook, Twitterund Google-Diensten wie die Suche oder Youtube sind auch zahlreiche andere Webseiten und Dienste gesperrt. Die Webseite Greatfire.org hat es sich zur Aufgabe gemacht, die zahlreichen Sperren und Einschränkungen zu dokumentieren und ist der Regierung in Peking daher ein Dorn im Auge. Seit kurzem registriert die Webseite gewaltige, professionelle DDoS-Attacken.


Greatfire

Bis zu 2,6 Milliarden Anfragen pro Stunde

In einem Hilferuf an die Öffentlichkeit schreiben die Betreiber, dass sie in den schlimmsten Phasen des Angriffs bis zu 2,6 Milliarden Anfragen auf ihre Seite pro Stunde registrieren konnten, was etwa dem 2500-fachen des normalen entsprächen.


Greatfire bietet Mirrors, also gespiegelt Versionen, von in China gesperrten Seiten wie etwa Google, Deutsche Welle und Boxun an, die aus dem chinesischen Netz heraus erreichbar sind. Die gespiegelten Seiten werden von Amazon Webservices gehostet. Durch die Attacken sind die täglichen Kosten für das Hosting auf 30.000 Dollar gestiegen. Es ist noch nicht bekannt, ob Amazon den Anti-Zensur-Pionieren diese Kosten erlassen wird, ist bisher noch nicht bekannt. Greatfire machte klar, dass Spenden willkommen wären und schrieb: „“Wir brauchen Sie, damit Sie Amazon sagen, wie wichtig Ihnen die Meinungsfreiheit ist.”

Chinesische Regierung unter den Verdächtigen

Als Anlass für den Angriff vermutet Greatfire einen Bericht im Wallstreet Journal vom 16. März, in dem der Dienst ausführlich vorgestellt wurde. Wer genau hinter dem Angriff steckt, sei nicht bekannt, jedoch sei der Kontext offensichtlich. Der Druck von staatlicher Seite sei in den letzten Monaten sehr intensiv gewesen. Die Cyberspace Administration of China (CAC) hatte Greatfire kürzlich als “antichinesische Website einer überseeischen, gegen China gerichteten Organisation” genannt. Auch auf die technischen Partner wie Amazon, Akamai, Microsoft und Verizon werde Druck ausgeübt.

Anti-Amerikanismus seitens der chinesischen Regierung

2014 wurden zahlreiche US-amerikanische Unternehmen von China des Geheimnisdiebstahls beschuldigt. Bei den Unternehmen handele es sich um den verlängerten Arm der US-Regierung und des Geheimdienstes NSA. Sie würden China überwachen und seien daher eine Bedrohung für chinesische Internetnutzer und gehörten bestraft. Die NSA-Affäre wurde von China wiederholt für polemische Anschuldigungen genutzt.

Der Entwurf eines Antiterrorgesetzes, das es vielen ausländischen Firmen nahezu unmöglich gemacht hätte, in China Geschäfte zu machen, wurde erst kürzlich augrund einer Intervention der amerikanischen Regierung verhindert. In dem Entwurf war geplant, ausländische Tech-Firmen und Dienstleister zu verpflichten, kryptografische Schlüssel und Quelltexte auszuhändigen und Hintertüren zu schaffen, mit denen die Behörden Verdächtige überwachen können.

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