Zu Beginn der iPod-Hochzeiten hat Apple aktuellen Medienberichten zufolge das Abspielen von fremden Songs unterbunden um sich vor potentiellen Hacker-Angriffen zu schützen und um das aufstrebende Musik-Geschäft voran zu treiben.


iPod Classic
Apple iPod Classic

Apple löschte ungefragt Musik vom iPod der Nutzer

Im Rahmen eines Kartellprozesses um in Apples iTunes Service und iPod Touch integrierte digitale Rechteverwaltung FairPlay, haben Kläger im Rahmen einer Sammelklage dem Unternehmen vorgeworfen die Hardware-Preise künstlich hochgehalten und Software integriert zu haben, welche Musik von Mitbewerbern auf den Apple Produkten verbannt. Zudem hat das Unternehmen zusätzlich auch Musik-Titel, die nicht aus dem iTunes-Store geladen wurden, im Nachhinein von den Geräten gelöscht, ohne dass die Nutzer damit einverstanden waren.

Bonny Sweeney, die Anwältin der Kläger, gab im Rahmen der Verhandlung bekannt, dass Apple die Änderungen an der Software durchgeführt habe, nachdem die Führungskräfte in Erfahrung gebracht hatten, dass Mitbewerber einen Weg fanden ihre Songs auf dem Apple iPod abspielen zu können. Die Rechtsexpertin eröffnet unter diesem Gesichtspunkt auch das Plädoyer. Apple bangte dabei um Marktanteile.


Anwalt William Isaacson, der Apple in dem Rechtsstreit vertrat, entgegnete, dass die Umgehung der Rechteverwaltung die Qualität des Produktes geschadet habe und zudem das Nutzererlebnis litt. Ein künstliches hochhalten der iPod-Preise wurde darüber hinaus dementiert. Vielmehr blieben die Hardware-Preise konstant während die Produkte von Mitbewerbern über mehr Speicher verfügten und immer günstiger wurden.

Hacker-Attacken sollten eingedämmt werden

iTunes-Chef Eddy Cue räumte zudem ein, dass im benannten Zeitraum auch vermehrt Hacker-Attacken auf Apples Software gestartet wurden. Um diese weitestgehend zu vermeiden, wurde die Installation von externen iTunes-Musikstücken unterbunden und bereits installierte Lieder wieder gelöscht. Das diente einzig und allein dem Schutz der Nutzer und der Apple Musik-Software, so Cue im Rahmen der Vernehmung. Der Apple Mitgründer Steve Jobs war zum Zeitpunkt der ersten Attacken sehr verärgert. Das Unternehmen musste schnell reagieren, da sonst die Gefahr bestand, dass die kooperierenden Musik-Lables ihre Musik aus dem iTunes Store zurück ziehen.

Apple war sehr bemüht die Vorgaben der Rechteverwaltung FairPlay einzuhalten und sorgte auch für regelmäßige Aktualisierungen. Songs, die im iTunes Store angeboten wurden, bekamen eine Art digitales Wasserzeichen, welches wiederum verhindern sollte, dass aus dem iTunes Store geladene Songs auf anderen Musik-Playern als den iPod genutzt werden konnten.

Die Software Harmony aus der Schmiede Real Networks nutzte jedoch eine Lücke aus und ermöglichte somit kurzweilig das digitale FairPlay Wasserzeichen zu umgehen um über iTunes geladene Songs auch auf anderen MP3 Playern abspielen zu können. Apple benötigte laut Klageschrift zwei Software-Updates um die Lücke schließen zu könne. Beide Updates konzentrierten sich vollends auf die Beseitigung der von Harmony ausgenutzten Backdoor.

Steve Jobs war gegen Rechteverwaltung

Den Klägern zufolge habe Apple jedoch FairPlay vorangetrieben um Mitbewerber am Wachstum zu hindern. Eddy Cue argumentierte jedoch, dass Apple von Beginn an darüber nachdachte DRM zu lizenzieren. Schließlich wäre das laut Apple eine gute Möglichkeit gewesen den Markt schneller vergrößern zu können. Es gab laut Cue jedoch keinen Weg eine Umsetzung erfolgreich durchzuführen. Es mangelte an einer zuverlässigen Funktionsweise. Als Beispiel für einen gescheiterten Versuch FairPlay erfolgreich zu implementieren, wird Microsoft herangeführt. Microsofts Versuch eine Rechteverwaltung aufzubauen, die lizenziert werden konnte, war nur mäßig von Erfolg gekrönt. Mal funktionierte es und Mal nicht. Cue führte weiter fort, dass die Musikindustrie auf DRM-Technologie bestanden habe und nicht Apple. Er der Erfolg von iTunes führte zu einem Umdenken. Allerdings nur mit mäßigen Fortschritten. Schließlich wurden auch danach noch Überlegungen getroffen die Nutzung digitaler Musik durch Verbraucher einzuschränken.

Der Ausgang des Verfahrens, welches auf eine zehn Jahre alten Sammelklage gestützt wurde, hat keine Auswirkungen auf aktuelle Apple Produkte. Apple bietet seit 2009 nur noch DRM-freie Musik im iTunes Store an. Bereits 2007 forderte Steve Jobs die Abschaffung jeglicher Rechteverwaltung. Die Sammelklage wurde bereits 2005 eingereicht. Dank der RealNetworks Software, welche Apples Rechteverwaltung aushebelte, konnte der firmeninterne Marktanteil von 10 auf 20 Prozent gesteigert werden, während Apples Anteil von 70 auf 60 Prozent schrumpfte. Zum Erstaunen schloss sich RealNetworks jedoch nicht der Klage an.

Die Kläger fordern von Apple Zahlungen von Schadensersatz in Höhe von 350 Millionen US Dollar. Laut dem US-Gesetz Clayton Antitrust Act of 1914 können nachgewiesene Kartellverstöße sogar mit dem dreifachen des Ausgangsstreitwerts geahndet werden. Apple würde dann, laut dem Wall Street Journal, eine Strafzahlung von bis zu einer Milliarde US Dollar drohen.

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