Rund 35 Kilometer nördlich der jordanischen Hauptstadt Amman wurde am Dienstag mit dem Elektronenspeicherring „Sesame“ ein einzigartiges Projekt feierlich eröffnet. Die Anlage liefert energiereiche Strahlung in vielen verschiedenen Wellenlängen und ermöglicht so die genaue Untersuchung von Materialproben. Genutzt wird das sogenannte Synchroton von Wissenschaftlern ganz unterschiedlicher Disziplinen, angefangen bei Physikern über Mediziner bis hin zu Archäologen. Die Besonderheit der Anlage in Jordanien besteht aber nicht in ihrer technischen Ausstattung – immerhin gibt es weltweit rund sechzig solcher Anlagen. Die meisten davon stehen allerdings in westlichen Industrieländern. „Sesame“ – kurz für: „Synchroton-light for Experimental Science and Application in Middle East“ – hingegen ist das erste Synchroton im Nahen Osten und soll dort die wissenschaftliche Forschung beflügeln.


Source: SESAME

Israel und Iran gehören zu den Hauptfinanciers

Die Bedeutung des Projekts wird zudem deutlich, wenn man sich die Liste der beteiligten Länder anschaut. Denn darauf sind nicht nur Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde zu finden – was an sich schon ein spektakuläres Zeichen der wissenschaftlichen Kooperation wäre. Vielmehr sind beispielsweise auch der Iran und Pakistan beteiligt. Beide Länder erkennen Israel offiziell gar nicht an und verhindern teilweise sogar, dass ihre Athleten gegen israelische Sportler antreten. Bei „Sesame“ hingegen sind die Länder gleichberechtigte Partner. Aber auch auf globaler Ebene wird kooperiert. So gehören neben Deutschland auch China, die Vereinigten Staaten und Russland zu den an „Sesame“ beteiligten Ländern.

Die ersten Experimente laufen noch dieses Jahr an

Kern der Anlage ist ein 133 Meter langer Speicherring, indem Elektronen beschleunigt und mit Energie aufgeladen werden. An bestimmten Punkten kann dieser Strahl dann austreten und wird mithilfe von Magneten in die gewünschte Wellenform gebracht. Anfang dieses Jahres wurden bereits die Elektronen implementiert. Die ersten Experimente sollen noch dieses Jahr anlaufen. Zuvor allerdings wurde das Projekt im Beisein des jordanischen Königs Abdallah feierlich eingeweiht – allerdings nicht ohne politische Unstimmigkeiten. Denn sowohl die israelische Regierung als auch die palästinensische Autonomiebehörde verweigerten die Teilnahme. Die Hoffnung ist nun, dass die beteiligten Wissenschaftler den Kooperationsgedanken mit Leben füllen.


Via: Phys.org

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