Kanadas Premierminister Justin Trudeau gilt als Gegenentwurf zu US-Präsident Donald Trump: Er ist weltoffen, liberal und kann sich offensichtlich noch an seine Wahlversprechen erinnern. Denn im Wahlkampf 2015 hatte der Politiker versprochen, Kanada zum ersten Industriestaat der Welt zu machen, indem Marihuana flächendeckend legalisiert wird. In den Vereinigten Staaten ist dies nur in einigen Bundesstaaten der Fall. Nun hat sein Gesundheitsminister tatsächlich einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorgelegt. Erwachsene Kanadier dürfen demnach bis zu 30 Gramm Marihuana legal besitzen. Dies entspricht in etwa dem Anbau von vier Pflanzen. Auch der Verkauf in lizensierten Shops ist grundsätzlich erlaubt. Eine wichtige Einschränkung sieht das neue Gesetz aber vor: Der Verkauf an Minderjährige ist weiterhin streng verboten und soll mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft werden.


Bisher wird der Handel mit Marihuana durch das organisierte Verbrechen kontrolliert

Die einzelnen Provinzen des Landes können das Mindestalter für den legalen Besitz von Marihuana zudem auch heraufsetzen. Es bleibt aber abzuwarten, ob von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wird. Ziel des Gesetzentwurfes ist es, dem organisierten Verbrechen eine Geldquelle zu entziehen. Denn bisher war der Handel mit Marihuana für entsprechende Banden vergleichsweise risikoarm und mit nicht unerheblichen Gewinnen verbunden. Zukünftig soll zumindest ein Teil dieses Geld stattdessen in die Staatskasse fließen. So werden die lizensierten Händler auf ihre Verkäufe dann natürlich auch Steuern zahlen müssen. Die Verabschiedung des Gesetzentwurfes durch das kanadische Parlament gilt als sicher. Inkrafttreten könnte die neue Regelung im Sommer nächsten Jahres.


Die Mehrheit der Kanadier spricht sich für eine Legalisierung aus

Der Gesetzentwurf geht zudem auf einen weiteren wichtigen Aspekt ein: Es soll erstmals ein Grenzwert für THC im Blut festgelegt werden, ab dem die Teilnahme am Straßenverkehr wieder erlaubt ist. Überprüft wird der THC-Gehalt mithilfe eines Speicheltests. Die Mehrheit der Kanadier steht Umfragen zufolge hinter den Plänen der Regierung und befürwortet eine weitgehende Legalisierung von Marihuana. Premierminister Trudeau jedenfalls weiß, wovon er redet: Er gab im Jahr 2013 zu, in seinem Leben „fünf bis sechsmal“ Marihuana konsumiert zu haben. Seiner politischen Karriere hat dieses Geständnis nicht geschadet. Zwei Jahre später übernahm er das Amt des Regierungschefs.

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