Norwegen spielt eine ambivalente Rolle in Sachen Klimaschutz. Einerseits gehört das Land zu den größten europäischen Produzenten von Erdöl und Erdgas – verursacht also zumindest indirekt große Mengen an Klimaemissionen. Auf der anderen Seite gehört das Land in vielen Bereichen aber auch zu den Vorreitern in Sachen Klimaschutz. So verzichtet der norwegische Staatsfonds inzwischen auf klimaschädliche Investments, Diesel- und Benzinautos sollen zukünftig per Gesetz verboten werden und die Regierung investiert Milliarden in den Ausbau von klimafreundlichen Fahrradwegen. Nun haben die Skandinavier eine weitere ambitionierte Initiative beschlossen: Bis zum Jahr 2030 möchte das Land komplett karbonneutral sein, das heißt maximal so viel Emissionen verursachen wie an anderer Stelle eingespart werden können.


Foto: Kim Grønbæk Skytte (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Foto: Kim Grønbæk Skytte (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Zahlungen von 3,2 Milliarden Euro jährlich sind möglich

Praktisch funktioniert dies so ähnlich wie bei vielen Bus- oder Flugreisen. Auch dort können die Passagiere inzwischen oftmals einen Klimaausgleich erwerben. Davon werden dann beispielsweise Aufforstungsprogramme oder Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz finanziert. Im Idealfall haben die durch die Reise verursachten Emissionen dann keine negativen Auswirkungen. Norwegen allerdings müsste solche Ausgleichszahlungen im großen Stil leisten: Klima- und Umweltminister Vidar Helgesen, der sich gegen die Gesetzesinitiative aussprach, rechnet mit jährlichen Kosten von mindestens 3,2 Milliarden Euro. Mit dem Geld könnte dann beispielsweise auch der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Schwellen- und Entwicklungsländern gefördert werden.

Norwegen kämpft mit steigenden Klimaemissionen

Die Abstimmung im norwegischen Parlament verlief dabei recht ungewöhnlich. Die konservative Minderheitsregierung stimmte gegen den Gesetzentwurf, während die Opposition Einigkeit bewies und vollständig dafür stimmte. Letztlich endete die Wahl mit 54 zu 47 Stimmen für die Karbonneutralität. Aus Sicht des Klimaschutzes ist dieses Ergebnis natürlich erfreulich. Es darf aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Norwegen eines der wenigen Industrieländer mit weiter steigenden Emissionen ist. Alleine im vergangenen Jahr stiegen die Klimaemissionen in dem skandinavischen Land um 1,5 Prozent. Insgesamt sind die CO2-Emissionen damit noch immer höher als im Jahr 1990 – das global als Referenzwert betrachtet wird.


Via: Digitaljournal

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