Forscher des Universitätsklinikums Freiburg haben in Kooperation mit Kollegen des Beth Israel Deaconess Medical Center (BIDMC) und der Harvard Medical School in Boston (USA) im Rahmen einer aktuellen Studie nachweisen können, dass die geringe Zugabe des gefährlichen Atemgifts Kohlenmonoxid bei Mäusen nach Blutungen im Gehirn eine schnellere Erholung herbeifüht. Die Mäuse bekamen regelmäßig und in kleinen Mengen Kohlenmonoxid. Nach der Testphase konnte sich die Testgruppe viel schneller und besser wieder räumlich orientieren, als die Vergleichsgruppe, die lediglich mit gewöhnlicher Atemluft behandelt wurde.


Gehirn
Foto: Gedächtnisleistung Ranveig mri. jpgCC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Kohlenmonoxid erst ab einer gewissen Menge schädlich

Wissenschaftler haben festgestellt, dass das gefürchtete Atemgift Kohlenmonoxid in geringen Mengen das Gehirn schützen kann. Das Tückische ist, dass Kohlenmonoxid unbemerkt über den Blutkreislauf in den Körper gelangt und dabei sogar Hirnschäden anrichten kann. Wie bei einigen anderen Giftstoffen allerdings auch, macht die Dosis erst das Gift. Die Forscher haben die positive Wirkung von geringen Mengen Kohlenmonoxids bei einer besonderen Form des blutungsbedingten Schlaganfalls (SAB) bei Mäusen untersucht.

Im Rahmen der Studie wurden zwei Gruppen von Mäusen miteinander verglichen. Hauptsächlich ging es den Forschern darum die Erholung nach einem Schlaganfall zu analysieren. Dabei wurde die eine Gruppe der Mäuse eine Woche lang mit normaler Atemluft versorgt. Die andere Gruppe hingegen erhielt zusätzlich über den selben Zeitraum täglich eine Stunde lang geringe Mengen Kohlenmonoxid. Nach der Testwoche wurden die Tiere auf ihr räumliches Erinnerungsvermögen getestet. Zur Überraschung der Forscher schnitten die Mäuse aus der zweiten Gruppe, also mit Kohlenmonoxid-Versorgung, deutlich besser ab als die Mäuse, die lediglich mit normaler Atemluft versorgt wurden. Die Wissenschaftler konnten darauf das Fazit erschließen, dass durch die Zugabe geringer Mengen Kohlenmonoxid die kognitiven Einschränkungen und die Schädigungen des Hirngewebes verringert werden konnten. Die gesamte Studie wurde im Fachmagazin „Journal of Clinical Investigation“ veröffentlicht.


Wirkungen auf das menschliche Gehirn noch unerforscht

In weiteren Studien soll nun herausgefunden werden, ob die Zugabe von Kohlenmonoxid auch in einer geringen Dosierung auch Menschen in Zukunft bei der Erholung nach einem Schlaganfall helfen kann. In Deutschland erleiden jährlich 10.000 Menschen einen blutungsbedingten Schlaganfall (SAB).

Vor der aktuellen Studie konnten die Forscher bereits beweisen, dass Kohlenmonoxid in der Lage ist Gift abzubauen. So verursacht das Molekül Häm einen Großteil der Schäden nach Hirnblutungen. Häm ist eigentlich für den Transport von Sauerstoff in den roten Blutkörperchen verantwortlich. Außerhalb der Blutzellen ist der Stoff jedoch hochgiftig. Bestimmte Gehirnzellen, sogenannte Mikroglia, schützen das Gehirn vor Häm und entgiften es. Während dieses Prozesses wird Kohlenmonoxid als Abbauprodukt freigegeben. Dieses wirkt sich jedoch ebenfalls auch positiv auf den Abbau von Häm aus.

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