Kohle als Quelle der Energieversorgung ist in den letzten Jahren immer stärker in die Kritik geraten. Was vor allem an der schlechten Klimabilanz des fossilen Rohstoffs liegt. Denn keine Form der Stromerzeugung verursacht mehr schädliche Emissionen. Doch es gibt noch mehr Gründe, den Kohleabbau kritisch zu sehen. So stellt beispielsweise jeder Tagebau einen massiven Eingriff in das umliegende Ökosystem dar – wovon auch die Bewohner der Region stark betroffen sind. Besonders deutlich wird das in Kolumbien. Dort befindet sich unter dem Namen El Cerrejón der größte Tagebau Südamerikas. Um den Betrieb am laufen zu halten, leiten die beteiligten Bergbaukonzerne Anglo American, BHP Billiton und Glencore immer wieder ganze Flüsse um. Was zwei Probleme mit sich bringt: Das seltene Öko-System eines tropischen Trockenwaldes wird zerstört und die Trinkwasserversorgung der Region gefährdet.


Foto: Hour.poing (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Die Interessen der betroffenen Gemeinden müssen berücksichtigt werden

Das kolumbianische Verfassungsgericht hat daher bereits im vergangenen Jahr recht strenge Vorgaben für die Umleitung von Flüssen für den Kohleabbau festgelegt. So müssen die betroffenen Gemeinden zuvor konsultiert werden. Außerdem sind die Konzerne verpflichtet, die Wasserversorgung der betroffenen Kommunen sicherzustellen. Nun zeigten die Richter, dass diese Regelungen keine Empfehlungen an die Konzerne sind, sondern zwingend beachtet werden müssen. Daher gaben sie einer Klage von Einwohnern der Gemeinden La Horqueta, La Gran Parada und Paradero recht und untersagten die Umleitung des Flusses Bruno. Die Begründung: Der Konsultationsprozess im Vorfeld war unzureichend. Es handelt sich allerdings vorerst noch um eine vorläufige Entscheidung. Bis zu einem Urteil im Hauptverfahren wird es nun allerdings keine Veränderungen des aktuellen Flussverlaufes geben.

Steinkohle aus Kolumbien wird auch in Deutschland verfeuert

Für die betroffenen Konzerne ist dies ärgerlich, weil die Verzögerungen mit erheblichen Kostensteigerungen einhergehen. Die Entscheidung ist aber ein wichtiges Symbol, um zu verdeutlichen, dass die Interessen des Kohlebergbaus stets ernsthaft mit den Interessen der Anwohner abgewogen werden müssen. Relevant ist dies nicht nur für die dort aktiven Bergbaukonzerne. Denn auch einige der deutschen Stromversorger und Stahlkonzerne setzen weiterhin auf Steinkohle. Weil diese hierzulande aber nicht wirtschaftlich abgebaut werden kann, wird sie zum größten Teil importiert. Alleine im Jahr 2015 wurden daher 54 Millionen Tonnen Steinkohle nach Deutschland gebracht – wovon ein nicht unerheblicher Teil aus Kolumbien stammte.


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