Das britische Unterhaus hat sich heute für die Legalisierung von Babys mit drei Elternteilen ausgesprochen. Künftig sollen die bisher umstrittenen Spindelapparat-Transfers angewendet werden, wenn im Rahmen einer künstlichen Befruchtung durch den Einsatz von DNA von drei Menschen eine Übertragung von schweren Erbkrankheiten vermieden werden kann. Insgesamt sprachen sich 382 Abgeordnete für und 128 Abgeordnete gegen das Verfahren aus. Dank der neuen Methode können Gendefekte bei Neugeborenen vermieden werden. Allerdings findet auch ein Eingriff in das Erbgut statt, was bei Kritikern ethische Bedenken aufkommen lässt.


Baby
Foto: Palnatoke CC BY-SA 2.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Im Kampf gegen Mitochondriopathie

Die an der Universität von Newcastle entwickelte Methode kommt vorrangig zum Einsatz, wenn die Gefahr besteht, dass das Neugeborene mit einer seltenen Fehlfunktion der Mitochondrien (Mitochondriopathie) geboren wird. In Großbritannien kommen jährlich im Schnitt 125 Babys mit dem Gendefekt zur Welt. Tritt eine Fehlfunktion der Mitochondrien auf, kann der Körper nicht ausreichend Energie zur Verfügung stellen. Die Folge ist eine leichtere Anfälligkeit für schwere degenerative Erkrankungen wie Diabetes oder Muskelschwäche. Mitochondriopathie wird von der Mutter vererbt. Zu der Schwächung des Körpers kommt es, da die Mitochondrien Glukose in Energiemoleküle umwandeln und somit auch als Kraftwerke der Zelle bezeichnet werden. Bei einem Defekt, bleibt folglich auch die Energiebildung aus und der Körper ist dauerhaft geschwächt.

Und so funktionierts

Im Rahmen des Spindel-Transfer-Verfahrens wird die Übertragung der Mitochondriopathie von der Mutter auf das Kind blockiert. Dabei wird die defekte Mitochondrie aus der Eizelle entfernt und durch eine gesunde Mitochondrie einer anderen Frau ersetzt. Die hierbei veränderte Eizelle wird in der Folge im Labor mit dem Sperma des Vaters befruchtet und wieder in die Gebärmutter der Mutter eingesetzt. Die zweite Mutter im Bunde bleibt anonym.


Spindelapparat-Transfers umstritten

Gegner der Methode, wie etwa die anglikanische Kirche von England,  kritisieren, dass hier aktiv in das Erbgut eingegriffen wird und das Verfahren somit nicht ethisch-moralisch vertretbar sei. Durch den aktiven Erbgut-Eingriff könnten Ärzte in Zukunft in die Verlegenheit kommen Designer-Babys zu erschaffen. Zudem würde man auch eine Schleuse öffnen, die Missbrauchsfälle begünstigen könnte, heißt es weiter.  Befürworter halten jedoch dagegen und betonen, dass die Mitochondrien außerhalb des Zellkerns liegen und daher keinerlei charakterbildende Erbinformationen enthalten. Zudem wird durch den Eingriff in vielen Familien großes Leiden zukünftig gelindert. In den USA wurde die  Spindel-Transfer-Methode 2002 schon einmal legalisiert. Es dauerte jedoch nicht lange, bis das Verfahren wieder verboten wurde. In Europa ist der Spindel-Transfer ebenfalls verboten.

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