Kaum eine Ausbildung in Deutschland ist so schwierig und langwierig wie das Medizinstudium. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit eines Arztes besteht dabei darin, die richtige Diagnose zu stellen. Zu Beginn des Diagnoseprozesses steht dabei die sogenannte Triage, bei der über den nächsten Schritt entschieden wird. Dies kann beispielsweise bedeuten, den Patienten mit einem Rezept für die Apotheke auszustatten – im Extremfall aber auch die sofortige Einweisung ins Krankenhaus zum Ergebnis haben. Ein von der Medizinfirma Babylon entwickelter Computer namens Check hat dabei nun zu Testzwecken diese Aufgabe übernommen. Verglichen wurden seine Einschätzungen dann mit den Entscheidungen einer Krankenschwester und einer Ärztin.


Image: Babylon Health
Image: Babylon Health

Die Einschätzungen des Computers waren stets ungefährlich

Konkret war beispielsweise ein Patient mit einem Ohrenleiden zu beurteilen. Die Krankenschwester schickte ihn dabei in eine Apotheke, während der Computer eine Untersuchung beim Allgemeinmediziner veranlasste. In diesem Fall bekamen beide einen Punkt, weil beide Wege zum Erfolg führten. Babylon hat dabei im Vorfeld 102 solcher Fälle simuliert. Das Ergebnis: Es kam zu keiner schwerwiegenden Fehldiagnose und immerhin 92 Prozent der Einschätzungen wurden als akkurat eingestuft – was in etwa dem Referenzwert für erstklassige Ärzte entspricht. Zum Vergleich: Nur 73,5 Prozent der Krankenschwestern und 77,5 Prozent der Ärzte erreichten ebenfalls diesen Wert. Der Computer arbeitete zudem schneller und logischerweise weniger personalintensiv – er könnte also helfen, zukünftig Kosten einzusparen.

Einsatzmöglichkeiten beim Hausarzt und in der Notaufnahme sind denkbar

Wenn es dann allerdings darum geht eine bestimmte Krankheit zu diagnostizieren und eine Behandlung einzuleiten, sind menschliche Ärzte noch immer im Vorteil. Die Ärztin Keziah Austin, die an den Versuchen teilgenommen hat, sieht die künstliche Intelligenz dennoch als mögliche wertvolle Unterstützung im Arbeitsalltag. So könnten Patienten beim Hausarzt schon einmal ihre Symptome angeben und der Computer eine erste Einschätzung treffen. Auch in der Notaufnahme könnte die künstliche Intelligenz eine Aufgabe übernehmen und beispielsweise die Patienten nach der Schwere ihrer Erkrankung sortieten helfen. Bisher ist aber noch nicht bekannt, für wann der Verkaufsstart eines marktreifen Produkts geplant ist.


Via: Motherboard

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