Im Jahr 2011 machte eine medizinische Sensation weltweit Schlagzeilen: Erstmals wurde einem Menschen eine künstliche Luftröhre eingesetzt. Dafür verantwortlich war der italienische Mediziner Paolo Macchiarini. Dieser hatte eigenen Angaben zufolge eine Methode entwickelt, bei der er künstlich produzierte Luftröhren mit Stammzellen des Patienten besiedelte. Dadurch sollte es ermöglicht werden, die Organe nicht nur im Labor nachzubauen, sondern diese auch bei Patienten mit bestimmten Erkrankungen zum Einsatz zu bringen.


Seine vermeintlich sensationellen Forschungsergebnisse sorgten zunächst dafür, dass Macchiarini an das Stockholmer Karolinska-Institut berufen wurde. Dort führte er dann die ersten Operationen durch. Das verstörende Ergebnis: Keiner der Patienten hat den riskanten Eingriff längerfristig überlebt.

Das Karolinska-Institut gehört zu den renommiertesten medizinischen Universitäten in Europa.

Die Ethikkommission wurde über die Operationen nicht informiert

Dadurch wurden schließlich auch Macchiarinis Kollegen in Stockholm stutzig. Sie sahen sich die Unterlagen genauer an und stellten zunächst eklatante formale Verstöße fest: So wurde die Methode zuvor nicht – wie vorgeschrieben – zunächst an Tieren erprobt. Auch die Zustimmung der schwedischen Ethikkommission wurde nicht eingeholt. Anschließend forschten sie weiter und stießen auf einen noch größeren Skandal: Die Methode funktionierte überhaupt nicht! Die bisher veröffentlichten Forschungsergebnisse stimmten zudem nicht mit den Krankenakten der Patienten überein. Sofort informierten die schwedischen Mediziner daher die Institutsleitung über ihren Verdacht. Dort allerdings zögerte man und stellte sich zunächst hinter den italienischen Star-Mediziner. Erst unter öffentlichem Druck wurde dieser schließlich entlassen.

Sämtliche Forschungsarbeiten beruhten auf manipulierten Daten

Inzwischen wurden sämtliche Publikationen von Macchiarini zum Thema künstliche Luftröhren noch einmal genauer unter die Lupe genommen. Das traurige Ergebnis kann mittlerweile wohl niemanden mehr überraschen: Sämtliche Artikel müssen zurückgezogen werden, weil sie auf eklatant gefälschten Forschungsdaten beruhten. Mit anderen Worten: Obwohl die Methode nachweislich nicht funktionierte, hat Macchiarini sie in seinen wissenschaftlichen Publikationen als Erfolg verkauft. Welche Motivation den Mediziner dabei antrieb, ist bis heute nicht ganz geklärt. In Schweden jedenfalls führte der Skandal zu einer Reihe von Rücktritten. So musste der Chef des Karolinska-Instituts ebenso seinen Stuhl räumen wie der Vorsitzende der Nobelversammlung. Diese ist weltweit bekannt, weil sie jährlich den Medizin-Nobelpreis vergibt.


Via: Deutschlandfunk Nova

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