Leo: Die CSU setzt im Bundestagswahlkampf auf einen Chatbot

Social Bots sind in letzter Zeit extrem in Verruf geraten. Diese posten in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook automatisierte Beiträge und versuchen so, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Chatbots allerdings gehen einen anderen Weg: Sie antworten auf konkrete Fragen der Nutzer. In den Vereinigten Staaten und China sind sie aktuell allerdings noch deutlich weiter verbreitet als hierzulande. So nutzt beispielsweise CNN einen Chatbot, um Nutzer des Facebook Messenger mit neuen Nachrichten zu versorgen. In China wiederum können im Messenger WeChat sogar Flüge bei einem Chatbot gebucht werden. Die CSU hat nun einen eigenen Bot namens Leo präsentiert, der Fragen zur Bundestagswahl beantworten können soll.

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Auf Stichworte folgen vorgefertigte Antworten und Links

Allerdings kommt dabei keine künstliche Intelligenz zum Einsatz. Dies schien den Köpfen hinter dem Projekt vermutlich zu heikel. Denn im vergangenen Jahr musste Microsoft damit extrem schlechte Erfahrungen machen: Der Twitter-Bot Tay übernahm rassistische und fremdenfeindliche Parolen in sein Sprachrepertoire. Der CSU-Chatbot ist daher redaktionell bearbeitet und reagiert auf bestimmte Stichworte mit vorher festgelegten Antworten und weiterführenden Links. Fragt man das Programm beispielsweise nach Horst Seehofer, kommt die Antwort: „Horst Seehofer ist ein großartiger Ministerpräsident und unser Parteivorsitzender“. Erwähnt man hingegen den Begriff Leitkultur, verweist der Chatbot auf das bayerische Integrationsgesetz und präsentiert dazu gleich noch ein passendes Schaubild.

Auch andere Parteien arbeiten an ähnlichen Ansätzen

Wirkliche Dialoge lassen sich auf diese Weisen natürlich nur bedingt führen. Regelmäßig muss Leo auch schlicht passen und entschuldigt sich, weil er ein Wort oder eine Frage nicht verstanden hat. Es handelt sich eher um eine ausgefeilte Variante der Stichwortsuche. Interessierte Wähler müssen nun nicht mehr das komplette Wahlprogramm der CSU durchforsten, um bestimmte Inhalt zu finden, sondern können die Stichpunkte einfach abfragen. Der Begriff Chatbot ist dafür aber vielleicht etwas hoch gegriffen. Die CSU hofft, auf diese Weise die große Zahl an Anfragen im Vorfeld der Bundestagswahl zeitnah beantworten zu können. Fast alle anderen Parteien experimentieren aktuell mit ähnlichen Ansätzen – mit Ausnahme der SPD. Die Sozialdemokraten haben den Einsatz von Bots grundsätzlich ausgeschlossen.