Google will den kompletten Erdball mit schnellem Internet versorgen. Ein ehrgeiziges, fast schon verrücktes, Projekt, bei dem das Unternehmen auf unbemannte Ballons setzt, die in der Stratosphäre schweben. Project Loon, so hat Google das Unterfangen getauft, ist inzwischen beinahe startbereit.


Google Loon Project

Project Loon: Bereit für den weltweiten Start

Eine Welt, in der es überall Internet gibt. Das ist die Vision von Google, aber wer schon einmal auf einer deutschen Autobahn unterwegs war – ganz zu schweigen von der Sahara oder dem Himalaya in Nepal – der weiß, dass es sich dabei noch um Zukunftsmusik handelt. Aber das Unternehmen ist gerade dabei, ein ambitioniertes Projekt zu realisieren: Project Loon. Ein Netzwerk aus Ballons, die sich in rund 30 km Höhe in der Stratosphäre aufhalten, soll Signale zur Erde funken und eine flächendeckende Versorgung mit LTE gewährleisten. Das Project Loon wurde vor 2 Jahren initiiert, und inzwischen ist Google so weit, dass die Ballons weltweit zum Einsatz kommen können.


Die Ballons können gesteuert werden

Die Ballons können im Schnitt 6 Monate in der Luft bleiben, so Googles Sundar Pichai gegenüber dem Blog “The Verge”. Die längste Ballonfahrt dauerte bisher 187 Tage. In dieser Zeit umrundete der fragliche Ballon ganze 9 Mal die komplette Erde. Das Fertigungssystem von Google kann inzwischen 100 Ballons pro Tag herstellen, und automatische Kräne können jeden Tag mehrere Dutzend der Ballons in die Luft bringen. Nach seiner Fahrt wird der Ballon wieder eingesammelt, die Technik kann wiederverwendet werden.

Die Route jedes Ballons kann in einer Kontrollzentrale genau nachverfolgt und sogar geändert werden, erklärt Projektleiter Mike Cassidy. Durch Höhenveränderungen können die Ballons in andere Luftströmungen gebracht werden, was eine Kursänderung zur Folge hat. Ein kompliziertes System gewährleistet, dass immer ein Ballon dort zur Stelle ist, wo Internet aus der Luft gebraucht wird. Das funktioniert bereits recht gut. Bei einer Testfahrt von einem Ballon von Neuseeland bis zu einem Dorf in Chile lag die Abweichung nur bei 100 Metern.

So funktioniert Project Loon

Im voll gefüllten Zustand sind die Ballonhüllen aus Polyethylen 15 Meter breit und 12 Meter hoch. Die Ballons bestehen aus zwei Hüllen. Die Außenhülle wird mit Helium gefüllt, und im Inneren befindet sich ein weiterer Ballon, der Luft aufnimmt oder abgibt und dadurch Steigen oder Fallen des Ballons auslöst. Für die Energieversorgung sind zwei Solarzellen an den Seiten des Kastens, der die Technik beinhaltet. Google schweigt sich über den genauen Preis der Ballons aus, aber jeder von ihnen kostet scheinbar “mehrere Zehntausend Dollar”.

Ursprünglich war Loon für den Einsatz in Krisenregionen mit schlechter Infrastruktur gedacht. Doch jetzt sollen die Ballons auch in Ländern mit guter Netzversorgung eingesetzt werden. Google betrachtet Loon dabei als Service zur Verbesserung der Netzqualität, nicht als Konkurrenz zu bestehenden mobilen Netzen. Zumal das Unternehmen auf die Mitarbeit von existierenden örtlichen Netzbetreibern angewiesen, um das Projekt weltweit umzusetzen.

In Neuseeland geschah das bereits. Google ging dort eine Partnerschaft mit Vodafone ein. Die Ballons fahren bisher weitestgehend über die Südhalbkugel. Hier sind die Bedingungen besser, die Regulationen lockerer und die Lion-Versorgung dringender benötigt.

Project Loon ist ein Produkt von Googles Testlabor X-Lab, das auch schon Dinge wie Googles Datenbrille Google Glass sowie selbstfahrende Autos oder das Baukasten-Smartphone Project Ara hervorgebracht hat. Auch Facebook verfolgt im übrigen ähnliche Pläne, nur setzt das Unternehmen dabei auf Drohnen statt auf Ballons.

Project Loon im Video

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