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Machen selbstfahrende Autos Kfz-Versicherungen in Zukunft überflüssig?

Google, Audi, Daimler und Co arbeiten mit Hochtouren an der Entwicklung selbstfahrender Autos. In den USA erlaubt die differenzierende Gesetzeslage, bereits einen großzügigeren Testspielraum, so dass beispielsweise die Google Autos auch schon autonom im regulären Straßenverkehr fahren dürfen. Ein Szenario, was hierzulande noch undenkbar ist. Auf bestimmten Autobahn-Abschnitten und mit einem überwachenden Fahrer und Beifahrer, können aber auch in Deutschland bereits selbstfahrende Autos im Straßenverkehr auftauchen. Obwohl autonome Autos noch Zukunftsmusik sind, werden aktuell schon rechtlich brisante Fragen aufgeworfen. Wer ist verantwortlich, wenn es zu einem Unfall kommt, wo ein selbstfahrendes Auto involviert ist? Sind die Fahrer auch dann bereit für ein Risiko zu zahlen, das diese eigentlich gar nicht in der Hand haben? Ist das Ganze dann nicht eher eine Frage der Produkthaftpflicht der Autohersteller? Wird es in Zukunft überhaupt noch Kfz-Versicherungen geben, so wie wir sie kennen? Mit Pay-as-you-drive hat sich um ein zukunftsträchtiges Versicherungsmodell, dass sich genauer am Fahrstil des Fahrers orientiert. Vielleicht bald eine Option.

Google Auto startet im Sommer

Selbstfahrende Google-Autos

Pay-as-you-drive

Zahle wie du fährst oder neu-modern auch Pay-as-you-drive (PAYD) genannt, ist ein sich neu entwickelndes Versicherungsmodell, das in Zukunft auch für Nutzer selbstfahrender Autos einen Mehrwert bieten könnte. Autofahrer werden hier für eine umsichtige Fahrweise belohnt, getreu dem Motto: „Wer sich an die Regeln hält und auch nicht vom Stress zum Schnell-fahren verleiten lässt, der zahlt am Ende weniger. Dieses auch Telematik-Tarif genannte System (Telekommunikation und Informatik), bemisst die Kfz-Versicherungsbeiträge anhand der erhobenen Fahrparameter. Darunter fallen die Bremsdauer, Stadt- und Nachtfahrten, die Geschwindigkeit, rasantes Anfahren sowie abruptes Abbremsen. Aber wie kann das überprüft werden? Und genau hier wird es für uns als Technik-Fans spannend. So kann zum einen auf eine GPS-Blackbox zurückgegriffen werden, die im Motor- oder Kofferraum installiert wird und die Daten erfasst, speichert und an die Kfz-Versicherung überträgt. Ein derartiges Modul kostet aktuell noch zwischen 500 und 1000 Euro. Eine zweite Möglichkeit ist die Abwicklung über eine Anbieter-spezifische Smartphone-App, die regelmäßig kostenlos verfügbar ist und ebenfalls als Übermittler, der durch die Telematik ermittelten Daten, fungiert. In einigen Ländern ist die Telematik als Versicherungsmodell schon etablierter, zum Beispiel in Großbritannien oder den USA. Aber auch in Deutschland sind bereits erste Tarife vorhanden.

Immer dann, wenn Daten von Nutzern aufgezeichnet und übermittelt werden, bekommt man als Verbraucher Bauchschmerzen wenn an den Datenschutz gedacht wird. Die Versicherungen erhalten die Fahrerdaten um die Leistungen beziehungsweise die Kosten entsprechend zu Gunsten des Nutzers anpassen können. Im Gegenzug macht man sich ein Stück-weit gläsern und möchte auf gar keinen Fall, dass die Daten an Dritte weiter gegeben werden. Datenschützer verweisen vor allem kritisch auf mögliche Nutzeranalysen, die nur unter Einhaltung von Richtlinien nicht zum Missbrauch führten.

Prinzipiell ist jedoch fraglich, ob Pay-as-you-drive wirklich eine Option für autonome Fahrzeuge bleiben wird. Zum einen bleibt es erst einmal abzuwarten ob und wenn ja, wann selbstfahrende Autos in Deutschland zugelassen werden. Dann kommt es einigen Versicherungen zufolge darauf an, ob das Auto noch über ein Lenkrad verfügt. So spekuliert Swiss Re etwa, dass Streckenabschnitte, die dem Fahrer besonders Spaß bereiten, dann von ihm gefahren und der Pay-as-you-drive-Tarif mit anderen Einstellungen genutzt werden könnte.

Autonom fahrender Sportwagen auf der Rennstrecke

Werden spezielle Versicherungen überhaupt benötigt?

Dass autonome Autos Kfz-Versicherungen in Zukunft überflüssig machen, ist durchaus möglich. So könnten jedenfalls die Hersteller bei technischem Versagen haften. Denkbar wäre dabei die Ausweitung der Produkthaftung. Ein recht risikoreiches und unter Umständen sogar auch teures Unterfangen, was dann wiederum den Anschaffungswert der selbstfahrenden Autos empor treiben könnte. Ein anderer Ansatz ist dieser, dass die regulären Kfz-Haftpflichtversicherungen auch bei autonom fahrenden Autos greifen. So äußerte sich der Allianz-Vorstand Alexander Vollert im September 2015 bereits zu dem inkludierten Schutz. „Wir bei der Allianz in Deutschland glauben nicht, dass es neue Haftungsregeln für autonome Autos braucht. Das deutsche Versicherungsmodell umfasst auch den Schutz des Verkehrsopfers bei Schäden durch teil- und vollautomatisierte und autonom fahrende Fahrzeuge als auch bei Unfällen durch Hackerangriffe.“ so Vollert. Die Einführung autonom fahrender Autos wird dennoch in Zukunft einen Einfluss auf die Versicherungen haben. So prognostizieren Experten, dass die Regressforderungen gegen die Fahrzeug-Hersteller zunehmen werden. „Man muss natürlich fragen, wer der Unfallverursacher ist, wenn das Auto selbstständig fährt.“, ergänzt der Allianz-Vorstand.

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