Mals: Ein Dorf stellt sich mutig gegen Monokulturen und Pestizide

Die Bürger der Südtiroler Marktgemeinde Mals vergleichen sich gern mit dem berühmten Dorf in Gallien, aus dem Asterix und Obelix stammen. Vor etwa zwei Jahren beschloss der 5000-Einwohner-Ort sich komplett querzustellen, und den Siegeszug der Apfelbaum-Monokulturen aufzuhalten.

Der schöne Vinschgau soll schön bleiben – und gesund!

Zerstörtes Landschaftsbild und Pestizidverwehungen im Unteren Vinschgau

Der Untere Vinschgau in Südtirol ist bereits von Monokulturen durchzogen: Hier stehen die Apfelbäume in Reihe und Glied, in exakt dem passenden Abstand, um die Pestizidsprüher ungehindert hindurchfahren zu lassen. Nicht nur das Landschaftsbild wurde so gravierend gestört, auch viele Tier- und Pflanzenarten verschwanden aus der Gegend. Ein Nebeneffekt liegt in der Verwehung von Pestiziden durch den Wind, denn die Sprühwagen spritzen direkt in die Baumkronen, von wo aus die Gifte bis in die privaten Gärten sowie auf Pausenhöfe und Spielplätze gelangen.

Weil diese Art des Obstanbaus so viel Geld einbringt, droht eine weitere Ausbreitung der Monokulturen bis in den Obervinschgau. Die dort ansässige Gemeinde Mals zog vor etwa zwei Jahren überraschend die Reißleine, bei einer Volksabstimmung sprachen sich 75 % der dortigen Einwohner für eine ökologisch orientierte Landwirtschaft und gegen die Verwendung von Pestiziden aus.

»Das Wunder von Mals« im Video

Chemisch-synthetische Pestizide auf Malser Gemeindegebiet verboten

Bürgermeister Veith nahm diesen Entscheid sehr ernst: Da ein generelles Verbot gesetzlich nicht machbar war, erließ er eine sogenannte Durchführungsverordnung, die rein praktisch aus vielen kleinen Verboten besteht. Auf dem gesamten Gemeindegebiet darf somit kein chemisch-synthetisches Pestizid mehr genutzt werden, weder auf einer Obstbauplantage noch im privaten Garten. So wird echte Biolandwirtschaft erst wirklich möglich, ohne vom Wind herbeigetragene Gifte auf Wiesen und Äckern. Auch die Wildblumen dürfen sich weiter in voller Pracht zeigen, zwischen den gespritzten Apfelbäumen haben sie nämlich kaum eine Chance zum Wachsen.

Der Gegenwind ließ natürlich nicht auf sich warten, Veith musste zahlreiche persönliche Beleidigungen einstecken. Doch heute steht er noch immer felsenfest zu seiner Entscheidung, die Gesundheit der ihm anvertrauten Bürger und die Umwelt maximal zu schützen. Übrigens erhalten die Malser Kinder in Kindergärten und Schulen ein von der Gemeinde gesponsertes Bio-Essen, auch darin sieht der Bürgermeister eine echte Priorität.

Quellen: bioland.de, startnext.com