Medizin: Injizierbares Gel generiert neue Blutgefäße

Eine vor allem bei Diabetikern im fortgeschrittenen Stadium oft gesehene Begleiterscheinung ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz pAVK. Patienten mit dieser Krankheit leide unter einer Störung der arteriellen Durchblutung der Extremitäten, die im Extremfall eine Amputation nötig machen. Die Erkrankung steckt auch hinter dem sogenannten Raucherbein. Für Patienten mit pAVK gibt es nun neue Hoffnung: Ein Team der University of Texas entwickelte ein regeneratives Gel, das die Bildung von Blutgefäßen anregen und so die Durchblutung der Extremitäten wieder herstellen kann.

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Gel führt zur Bildung neuer Blutgefäße

Die aktuellen Behandlungsmethoden für pAVK sind begrenzt. Die Patienten erhalten Physiotherapie, chirurgisch implantierte Stents oder sogar Bypass-Operationen. All diese Ansätze helfen aber höchstens mittelfristig, langfristig lässt sich eine Verschlechterung der Durchblutung bisher nicht aufhalten. Deshalb experimentieren Wissenschaftler mit Wachstumsfaktoren, die normalerweise die Wundheilung und das Wachstum von Tumoren beeinflussen. Die Idee dahinter ist, die erkrankten Gefäße durch neu gebildete zu ersetzen bzw. zu umgehen. Dieser Ansatz hat bei Menschen bisher allerdings nicht besonders viel Erfolg gehabt.

Aaron Baker, ein Professor für Biomedizin an der University of Texas, der die Studie leitete, geht davon aus, dass dies daran liegt, dass Diabetes den Verlust eines bestimmten Proteins verursacht, ohne das die Wachstumsfaktoren nicht funktionieren. Das Protein namens syndecan–4 ist in gesundem Gewebe in die Oberfläche von Blutgefäßen eingebunden. Es wird davon ausgegangen, dass syndecan–4 eine wichtige Rolle im Zellsignalweg bei der Ausbildung neuer Gefäße spielt.

Ein einzelnes Protein könnte die Lösung sein

In der Studie, die Baker und sein Team an diabetischen Mäusen durchführten, zeigte sich, das Gel mit syndecan–4 sehr viel bessere Ergebnisse mit sich bringt als Wachstumsfaktor. Das Team geht nun davon aus, dass syndecan–4 eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer regenerativen Therapie für pAVK spielen kann. Erst kürzlich erhielten die Wissenschaftler eine Förderung von 2,7 Millionen US-Dollar vom US-Verteidigungsministerium, um in präklinischen Studien die Entwicklung des Gels voranzutreiben.

Die Bildung neuer Blutgefäße ist ein komplexer Prozess, bei dem scheinbar nicht nur biochemische, sondern auch mechanische Signale eine Rolle spielen. Der genaue Bildungsprozess ist noch nicht erforscht, was die Entwicklung von Medikamenten in diesem Bereich extrem erschwert. Dennoch kann es sehr gut möglich sein, dass syndecan–4 das bisher fehlende Verbindungsstück ist, das zum Erfolg von regenerativen Therapien führen wird.