Gelähmte Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, müssen im Alltag zahllose Einschränkungen hinnehmen. Während öffentliche Gebäude oft rollstuhlgerecht ausgelegt sind, bieten nur wenige Privathäuser diese Annehmlichkeiten. Forscher der TU München haben einen Rollstuhl entwickelt, der Querschnittsgelähmten wieder mehr Mobilität verleihen soll: Der bionische Rollstuhl der Forscher kann Treppenstufen „erspüren“ und erklimmen. Dabei stabilisiert er sich selbst und sorgt dafür, dass er auf der Treppe nicht den Halt verliert.


Foto:  Uli Benz / TUM
Foto: Uli Benz / TUM

Einachsiges Konzept für höchstmögliche Mobilität

Die Wissenschaftler wollten einen Rollstuhl entwickeln, der gelähmten Menschen einen Teil ihrer Selbstständigkeit zurückgibt. Außerdem sollte der Stuhl klein und wendig sein. Daher haben sie ihrem Rollstuhl lediglich eine Achse verpasst, sodass dieser Bewegungen nach vorne und hinten sowie Drehungen nahezu zeitgleich ausführen kann. Dabei macht sich der Rollstuhl das Prinzip des inversen Pendelns zunutze, um sich aufrecht zu halten. Jede kleine Lageveränderung wird von dem Stuhl erkannt und durch dessen Antrieb sofort kompensiert.

Bisherige Konzepte von Rollstühlen, die Treppen steigen können, setzten auf Raupen und Gleitrollen. Bei diesen Stühlen ist für das Treppensteigen jedoch eine weitere Person erforderlich, die darauf achtet, dass der Rollstuhl samt Insasse nicht umkippt. Ein weiteres Problem ist, dass diese Rollstühle extrem große Wendekreise haben und so in engen Räumen auf Schwierigkeiten stoßen.


Bionische Füße helfen beim Treppensteigen

Die Forscher der TU München entschieden sich für ein anderes Konzept. Sie nutzen bionische „Füße“, die sich ähnlich wie menschliche Beine aus Ober- und Unterschenkel zusammensetzen. Wenn die Ultraschallsensoren des Systems die Treppe erkennen, fährt der Rollstuhl rückwärts auf die Treppe zu, bis die beiden Räder die erste Stufe berühren.

Im Anschluss fahren die Füße aus und heben den Rollstuhl an, der dann mit Hilfe von Elektromotoren auf die nächste Stufe geschoben wird. Dabei überwacht ein Kamerasystem jederzeit die Position des Rollstuhls und stellt sicher, dass er sich auf der Stufe befindet.

Der Rollstuhl als umfassendes Mobilitäts-Konzept

Der Stuhl ist auch in der Lage, engere Treppen zu überwinden. Die Forscher haben bereits einen Prototyp gebaut. Ihr Ziel ist, dass der Rollstuhl als echter Mobilitätsersatz gilt. Er könne etwa als Autositz verwendet werden, damit er nicht zusammengeklappt im Kofferraum verstaut werden muss. Außerdem würde dem Nutzer so der Transfer vom Stuhl auf den Autositz erspart.

Mögliche Industriepartner zeigen sich bisher zurückhaltend. Mögliche Gründe dafür sind, dass das System komplex ist und es bereits standardisierte Rollstühle gibt. Das Team ist jedoch überzeugt davon, dass die Nachfrage nach dem bionischen Rollstuhl sehr hoch wäre. Ob er damit Recht behält, wird sich wohl erst nach einer möglichen Markteinführung zeigen.

via TU München

"

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.