Alzheimer gilt als eine Krankheit, die bisher nur unzureichend verstanden wird und für die es noch keine richtige Therapie gibt. Es gibt immer wieder spannende Ansätze, aber ein richtiger Durchbruch blieb bisher leider noch aus. Eine neue, stark individualisierte Behandlungsmethode gibt nun neue Hoffnung: Es gelang sogar, die Effekte der Krankheit teilweise wieder umzukehren.


Brain Scan
Foto: MRT Scans, Gerwin Sturm, Flickr, CC BY-SA 2.0

Umfassendes Behandlungsprogramm

Die Methode wurde von dem Team rund im den Wissenschaftler Dale Bredesen vom Buck Institute auf metabolic enhancement for neurodegeneration (MEND) getauft. In einem Paper in der Zeitschrift „Aging“ behaupten die Forscher, dass die behandelten Patienten ihre Arbeit wieder aufnehmen konnten, wenn sie diese aufgrund von Alzheimer beenden mussten.

Die Behandlung erfolgt nicht einfach durch Medikamentengabe oder ähnliches, sondern es handelt sich um ein 36-Punkte-Programm, das unter anderem Medikamente, Ernährungsänderungen, Vitaminpräparate, Hirnstimulation und körperliches Training umfasst.


In einem Statement bezeichneten die Wissenschaftler die Verbesserung des Zustands der 10 Teilnehmer an der Studie als „bisher nicht gesehen“ und behaupten, dass einige der Patienten nach der Behandlung kaum noch Anzeichen von Alzheimer zeigten.

Ein einzelnes Allel könnte der Schlüssel zur Heilung von Alzheimer sein

Die Studie muss definitiv aufgrund ihrer geringen Probandenanzahl mit Vorsicht betrachtet werden. Allerdings ist es interessant, dass alle bis auf einen der behandelten Patienten ein bestimmtes Allel namens APOE4 trugen, was bei 65 Prozent aller Alzheimer-Patienten vorkommt. Fünf der Patienten trugen sogar zwei Kopien des Allels, was sie einem starken genetischen Alzheimer-Risiko aussetzt.

Momentan werden Patienten selten auf APOE4 getestet, da Ärzte es nicht für sinnvoll halten, ihren Patienten mitzuteilen, dass sie genetisch prädisponiert für die Entwicklung von Alzheimer sind. Laut Bredesen könnte nun aber eine neue Ära anbrechen in der das Vorhandensein von APOE4 eine elementare Voraussetzung ist, um das Ausbrechen von Alzheimer zu verhindern.

Erhebliche Verbesserungen wurden beobachtet

Die 10 Patienten aus der Studie waren alle mit Alzheimer oder einer Vorstufe diagnostiziert worden. Nach der Behandlung trafen die Diagnosekriterien auf viele von ihnen jedoch nicht mehr zu.

So hatte sich etwa bei einem männlichen Probanden Mitte 60 ein Teil des Gehirns namens Hippocampus zurückentwickelt, und zwar so sehr, dass sein Hippocampus kleiner als bei 87 Prozent seiner Altersgruppe war. Nach einer 10-monatigen Behandlung mit MEND zeigten Scans, dass das Volumen seines Hippocampus so weit wieder hergestellt hatte, dass er nun nur noch kleiner als 25 Prozent in der Altersgruppe war. Dementsprechend verbessert hatten sich auch seine kognitiven Fähigkeiten.

Ein anderer männlicher Proband Ende 60 litt unter erheblichen Einschränkungen seines Langzeitgedächtnisses, was ihn zwang, seine Arbeit aufzugeben. Nach der Behandlung mit MEND war er wieder in der Lage, sich seinen Dienstplan zu merken und erkannte seine Kollegen wieder, die er vorher vergessen hatte.

Bredesen erklärt den Erfolg von MEND im Gegensatz zu anderen Behandlungsmethoden so: „Imagine having a roof with 36 holes in it, and your drug patched one hole very well – the drug may have worked, a single ‚hole‘ may have been fixed, but you still have 35 other leaks, and so the underlying process may not be affected much.“

via IFLScience

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