Messbarer Effekt: Vogelschiss kühlt Arktis

Betty Croft und ihre Kollegen von der Dalhousie University in Halifax müssen nicht schlecht geschaut haben, als sie das Ergebnis ihrer Untersuchungen in der Hand hielten: Das Team untersuchte die Auswirkungen von Seevögeln auf das klimatische Geschehen in der Arktis und fand heraus, dass der Einfluss der gefiederten Besucher größer ist als gedacht. In den Brutkolonien werden große Mengen Guano produziert, der wiederum Ammoniak freigesetzt. Dadurch wird die Bildung von Aerosolen in der Atmosphäre gefördert. Die Seevögel bewirken so eine messbare Abkühlung des arktischen Klimas.

Bild: Ivory Gull Profile, Tim Lenz, Flickr, CC BY-SA 2.0

Ammoniak aus Vogelexkrementen beeinflusst das Klima

Die Arktis ist weltweit die Region, in der der Klimawandel am stärksten spürbar ist. Schmelzendes Meereis und auftauender Permafrost-Boden sind nur ein paar Zeichen der steigenden Temperaturen.

Alljährlich besuchen Millionen von Seevögeln die Arktis, um dort ihren Nachwuchs auszubrüten. Anders als bisher angenommen, sind die gefiederten Besucher jedoch nicht nur passive Objekte im arktischen Klimageschehen, sondern üben einen messbaren Einfluss auf das Klima im hohen Norden aus.

Die Forscher führten Messungen durch, bei denen sie die Ammoniakwerte in der Nähe von Brutkolonien in der kanadischen Arktis bestimmten. Das Gas entsteht bei der Zersetzung des Guano, also der Exkremente der Vögel. Ammoniak wiederum ist ein wichtiger Faktor für die Bildung von Aerosolen und Wolken in der Atmosphäre.

Die Forscher fanden heraus, dass der Guano der Seevögel tatsächlich genug Ammoniak produziert, um in der Luft Aerosole zu bilden, die groß genug sind, um die Wolkenbildung zu beeinflussen. „Die Zahl der Partikel größer als 80 Nanometer stieg im oberflächennahen Luftbereich um 10 bis 50 Prozent an – vor allem in der Nähe von großen Seevogel-Kolonien„, erläuterten die Forscher.

Die Ergebnisse überraschten die Forscher

Schließlich untersuchten die Forscher, ob der Einfluss des Ammoniaks aus dem Guano auf die Atmosphäre ausreicht, um das arktische Klima zu beeinflussen. Sie gaben die ermittelten Werte in ein Klima-Atmosphärenmodell ein. Das Ergebnis: Die zusätzlichen Schwebstoffe bewirken einen regional begrenzten Kühlungseffekt. Dieser ist zwar nicht groß, aber deutlich messbar. Der Einfluss des Vogel-Guanos auf die Wolkenbildung mildert die eingestrahlte Sonnenenergie um 0,5 bis 1 Watt pro Quadratmeter.

Die Erkenntnis, dass die Vögel durch ihre Exkremente sozusagen ihren eigenen Lebensraum kühlten, überraschte die Forscher. Jedoch ist der Effekt nicht einmal ansatzweise ausreichend, um die anthropogene Erwärmung abzupuffern, geschweige denn auszugleichen. Allerdings zeigen die Ergebnisse der Forscher, wie komplex das Klimageschehen ist und dass unerwartete Faktoren messbare Einflüsse haben können.