Bei Wahlmaschinen denken viele direkt an die US-Präsidentschaftswahl 2000. Veraltete Maschinen hatten damals unklare Wahlzettel produziert. Über den Ausgang der Wahl entschieden dann schließlich nicht die Wähler, sondern Anwälte und Richter. Auch in Deutschland blieb der Einsatz von Wahlcomputern stets umstritten. Im Anschluss an die Bundestagswahl 2005 urteilte das Bundesverfassungsgericht sogar, die dort zum Einsatz gekommenen Computer hätten nicht den Vorgaben des Grundgesetzes entsprochen. Forscher der „Rice University“ haben nun eine Wahlmaschine entwickelt, die einerseits die Auszählung der Stimmen vereinfacht, andererseits aber auch die Ergebnisse der Wahlen für jeden Wähler überprüfbar macht.


Stimmzettel
Stimmzettel für Erststimme bei der Bayerischen Landtagswahl 2008; Bild: Alexander Hauk

Ausdruck zeigt noch einmal die tatsächliche Wahlentscheidung

Erstaunlicherweise war dafür gar keine große Neuerfindung notwendig. Die verwendete Technik existierte bereits, sie musste nur richtig kombiniert werden. Nach den Plänen der Wissenschaftler, sollen Wähler zukünftig ihre Stimme auf einem Tablet-Screen abgeben. Der Computer speichert die Daten dann verschlüsselt, produziert aber gleichzeitig einen Ausdruck. Auf diesem soll der Wähler noch einmal sehen können, wen er tatsächlich wählte. Dies ist ebenfalls eine Reaktion auf die US-Präsidentschaftswahl 2000, als missverständlich gestaltete Stimmzettel für den Verdacht sorgten, viele Wähler hätten letztlich nicht ihres Wunsches entsprechend abgestimmt. Ist der Wähler mit der ausgedruckten Wahlentscheidung einverstanden, wirft er den Zettel in eine klassische Wahlurne.

Kommt es nun zu Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauswertung durch den Wahlcomputer, können die Wahlhelfer vor Ort die Ergebnisse einfach mit den Ausdrucken in der Wahlurne abgleichen. Dieses System wirkt vergleichswiese simpel, ist aber dennoch effektiv, um Missverständnisse und Fehlauszählungen zu vermeiden. Nach Abschluss der Wahl erhält zudem jeder Wähler durch den Computer einen individuellen Identifikationscode. Die Wahlcomputer werden anschließend eine Liste mit allen gewerteten Codes zusammenstellen, die die Wahlkommission dann beispielsweise online veröffentlichen kann. Jeder Wähler kann dann ganz simpel überprüfen, ob seine Stimme auch wirklich gezählt wurde oder verloren gegangen ist.


Erster Einsatz ist in Texas geplant

Entwickelt wurde die neue Wahlmaschine auf Wunsch des Travis County in Texas. Dort sollen die Maschinen auch erstmals zum Einsatz kommen und ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen. Dabei gibt es allerdings ein Problem: Der STAR genannte Wahlcomputer entspricht nicht den Wahlvorgaben in Texas. Die Politiker in Austin haben allerdings bereits versprochen, dass sie sich um eine Änderung der Wahlgesetzgebung bemühen werden. Schon bald könnte der STAR-Computer dann für eine schnelle Verfügbarkeit der Wahlergebnisse sorgen und die Arbeit der Wahlhelfer vor Ort enorm erleichtern. Gleichzeitig könnte er mit seinen sichtbaren Sicherheitsvorkehrungen auch für eine stärkere Akzeptanz von Wahlcomputern bei der Bevölkerung sorgen.

Quelle: Popsci

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