Längerer Aufenthalt in der Schwerelosigkeit geht nicht spurlos an einem Menschen vorbei. Spätestens wenn die Menschheit zum Mars aufbricht, wird sich Detailwissen bezüglich der Auswirkungen des schwerelosen Raums auf den menschlichen Organismus als hilfreich erweisen. Mithilfe von Zwillingen möchte die NASA untersuchen, wie sich ein Jahr in der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper auswirkt.


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Erkenntnisse sind wichtig für eine Marsmission

Jeder Astronaut, der die ISS bemannen soll, muss sich vor, während und nach seinem Aufenthalt im All mehreren medizinischen Checks unterziehen. Längerer Aufenthalt in der Schwerelosigkeit wirkt sich unter anderem auf die Augen, die Muskeln und die Knochen aus. Genauere Daten, wie sich vor allem echte Langzeitaufenthalte, die mehr als ein paar Monate dauern, auf den Menschen auswirken, fehlen bisher. Vier bis sechs Monate – so lange dauert ein Aufenthalt auf der ISS für gewöhnlich. Doch wenn der Mensch sich in Richtung Mars aufmacht, werden längere Aufenthalte im All nötig werden. Bis zu 500 Tage könnte solch eine Reise dauern. Die NASA hat den roten Planeten bereits vor einiger Zeit als nächstes Ziel der bemannten Raumfahrt offenbart. Dementsprechend müssen dringend neue Erkenntnisse über die Auswirkung von Aufenthalten in der Schwerelosigkeit über einen längeren Zeitraum gewonnen werden.


NASA forscht mit Zwillingen

Um die Auswirkungen von längeren Aufenthalten in der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Organismus zu erforschen, hat die NASA sich etwas Besonderes ausgedacht. Am heutigen Freitag starten zwei Astronauten zu einer Mission ins All, die länger als üblich dauern wird: Der Russe Michail Kornijenko und der US-Amerikaner Scott Kelly starten an Bord einer Sojus Raumkapsel vom russischen Raumhafen Baikonur zur ISS. Ihre Aufenthaltsdauer soll ein Jahr betragen. Während der Mission werden die beiden Astronauten ausführlich beobachtet. Unter anderem sollen Schlafmuster, das Sehvermögen und das Immunsystem kontrolliert werden. Außerdem ist die physische Leistungsfähigkeit und die Teamfähigkeit der Astronauten von Interesse.

Das Besondere an der Mission ist nicht nur die lange Dauer, sondern auch die Tatsache, dass es zeitgleich eine Vergleichsstudie auf der Erde geben wird: Der ehemalige Astronaut Mark Kelly, der eineiige Zwilling von Scott Kelly, wird auf der Erde an der Mission teilnehmen. “Zum ersten Mal kann so auch untersucht werden, ob sich durch den langen Aufenthalt im All die Gene eines Menschen ändern”, so erklärt Professor Rupert Gerzer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Durch Vergleiche sowie besondere Experimente sollen so genauere Erkenntnisse über die Langzeitauswirkungen der Schwerkraft gewonnen werden. Scott Kelly sagt über die Mission: “Was wir hier lernen, ist etwas anekdotisch, aber es wird uns ein Gefühl dafür vermitteln, welche Bereiche wir genauer erforschen müssen.”

Scott Kelly reist nicht zum ersten Mal zur ISS. Im Oktober 2010 war er Kommandant der Internationalen Raumstation ISS und installierte auf einer Space-Shuttle-Mission neue Instrumente am Weltraumteleskop Hubble. Auch Mark Kelly, der auf der Erde verbleibende Bruder, ist ein erfahrener Astronaut: Bereits vier Missionen hat er hinter sich.

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