Die Aspirationen der Raumfahrt konzentrieren sich derzeit auf den Mars. In den nächsten Jahrzehnten will die Menschheit auf dem roten Planeten stehen. Aber die amerikanische Weltraumbehörde NASA konzentriert sich in ihrer Forschung nicht nur auf den Mars. Wissenschaftler der Behörde haben ein Konzept für eine Wolkenstadt auf der Venus entwickelt, die als Basis dienen soll, um den Planeten zu erforschen.


Venus HAVOC
Foto: NASA Langley Research Center

Die Venus: Ein unwirtlicher Ort

Der nächste logische Schritt für die Raumfahrt ist der Mars. Dies liegt zum großen Teil an seinen Eigenschaften, die der der Erde sehr ähnlich sind. Die chemische Zusammensetzung des Mars ist der der Erde ähnlicher als die jedes anderen Planeten in unserem Sonnensystem. Außerdem hat der Mars wie die Erde zwei Polkappen, die vermutlich weitestgehend aus gefrorenem Wasser bestehen.

Was die Entfernung angeht, ist der Mars jedoch nicht der nächste logische Schritt. Unser nächster Nachbar ist der Planet Venus. Warum hat die Menschheit sich also nicht die Venus als erstes Ziel für die interplanetare bemannte Raumfahrt auserkoren? Die Antwort ist einfach: Die Bedingungen auf der Venus sind katastrophal. Zwar ähnelt der Planet was seine Masse, Dichte, Schwerkraft und Zusammensetzung angeht der Erde, aber da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Die Oberflächentemperatur der Venus beträgt bis zu 465° C. Die Atmosphäre ist außerdem mit giftigen Schwefelwolken angereichert, und der atmosphärische Druck entspricht etwa 90 Mal dem der Erde.


Die Oberfläche der Venus ist also so gut wie unbewohnbar. Wissenschaftler des Forschungszentrums der NASA in Langley, Virginia haben jedoch ein Konzept entwickelt, in dem Menschen eine schwebende Stadt in der Atmosphäre der Venus bewohnen könnten.

Cloud City: Forschungszentrum über den Wolken

Das Projekt wurde auf den Titel “High Altitude Venus Operational Concept (HAVOC)” getauft und besteht aus mehreren Phasen. Als erstes würde ein Roboter in die Atmosphäre der Venus entsandt werden, um die herrschenden Bedingungen genauer zu untersuchen. Daraufhin würde eine bemannte, 30-tägige Mission in die Atmosphäre folgen. Anschließend ist ein einjähriger Aufenthalt angedacht, der schlussendlich zu einer permanenten Residenz für Menschen in der Atmosphäre der Venus führen könnte.

Die Astronauten sollen in mit Helium gefüllten Luftschiffen wohnen, die durch Solarzellen mit Energie versorgt werden. Diese sollen 130 Meter lang sein und neben einem Habitat für Menschen verschiedene Forschungseinrichtungen tragen. Die gewaltigen Schiffe sollen 50 km über der Oberfläche der Venus schweben, wo der Druck dem der Erdatmosphäre auf Bodenniveau entspricht. Die Temperatur in dieser Höhe beträgt 75° C.

Selbstverständlich sind solche Konzepte nicht für eventuell in ferner Zukunft entstehende Kolonialisierungspläne geeignet. Für die erste Kolonie der Menschheit auf einem anderen Planeten ist der Mars immer noch der bessere Kandidat. Aber als Basis für die Erforschung der Venus ist das HAVOC-Konzept sicherlich interessant. Mit einer Umsetzung in den nächsten Jahrzehnten ist jedoch nicht wirklich zu rechnen, zumal sich dem Konzept noch eine ganze Menge Schwierigkeiten entgegenstellen. Vor allem die Verbringung der Luftschiffe in die Atmosphäre der Venus wird die Forscher vor Herausforderungen stellen.

HAVOC im Video

via IFL Science

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