Lungenkrebs gehört nach wie vor zu den gefährlichsten Krebsarten. Im Jahr 2015 standen Lungen- und Bronchialkrebs auf Platz 4 der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Für einen Behandlungserfolg kommt es auch bei Lungenkrebs – wie bei jeder anderen Krebsart – darauf an, dass die Erkrankung so früh wie häufig erkannt wird. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts haben eine Methode entwickelt, mit der Lungenkrebs frühzeitig an der Atemluft erkannt werden kann.


Foto: Small cell lung cancer, ecancer medicalscience, Flickr, CC BY-SA 2.0

Elektronische Spürnase erschnüffelt Lungenkrebs

Viele an Lungenkrebs Erkrankte versterben innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose. Dies liegt unter anderem daran, dass der Krebs erst recht spät erkannt wird und dann oft bereits metastasiert ist und sich im Körper ausgebreitet hat. Deshalb ist es so wichtig, die Krebserkrankung so früh wie möglich zu erkennen. Wissenschaftler rund um Guillermo Barreto vom Max-Planck-Institut haben sich die Spürnase von Hunden als Vorbild genommen, um eine Methode zu entwickeln, mit der Lungenkrebs früh diagnostiziert werden kann. Diese ist nicht nur genau, sondern auch komplett nicht invasiv.

Krebstumore setzen leicht flüchtige, spezifische Stoffe frei, was dazu führt, dass darauf trainierte Hunde diese sozusagen „erschnüffeln“ können – und das mit einer beeindruckend hohen Trefferquote. Auf eine ähnliche Art und Weise erfolgt die Diagnose durch den Detektor, den die Forscher entwickelt haben. Dabei werden die Spuren von durch Krebswachstum veränderter RNA-Molekülen erkannt.


Anders als die DNA ist die RNA nicht in jeder Zelle identisch. Es ist durchaus möglich, dass aus einem DNA-Abschnitt mehrere RNA-Varianten entstehen. Das Verhältnis solcher Varianten kann Aufschluss darüber geben, ob ein Patient erkrankt oder gesund ist. Barreto und sein Team haben die RNA-Moleküle des Lungengewebes gesunder und an Lungenkrebs erkrankter Menschen ausgewertet, um so einen Datenbestand zu erhalten, anhand dessen die Lungentumore diagnostiziert werden können.

Auch andere Krankheiten sollen so diagnostiziert werden können

Der aus dem Diagnosemodell heraus entwickelte Detektor ist in der Lage, das Verhältnis der RNA-Moleküle bereits in der Atemluft zu analysieren und auf Basis der Daten der Forscher Lungenkrebs zu diagnostizieren. Die Trefferquote dabei ist recht hoch. In einer Studie konnten von 60 erkrankten Patienten 59 erfolgreich diagnostiziert werden. Der Test schlug zwar auch bei zehn Prozent der 78 gesunden Probanden an, allerdings ist dieser Wert deutlich besser als bei herkömmlichen Diagnosemethoden.

Die Forscher haben den Test nicht entwickelt, um damit die herkömmlichen Diagnoseverfahren für Lungenkrebs zu ersetzen. Vielmehr soll er ergänzend eingesetzt werden können, um die Diagnose so frühzeitig wie möglich stellen zu können und die Rate von Fehldiagnosen zu vermindern. Die Wissenschaftler wollen auch daran arbeiten, mit ihrer Methode andere Erkrankungen diagnostizieren zu können.

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1 Kommentar

  1. Christoph

    3. Mai 2017 at 09:53

    Cool, und wie wird man das anwenden? Werde ich dann ab einem gewissen Alter bei meinem Hausarzt immer ins Röhrchen pusten müssen? Schön, dass es sowas bald gibt.

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