Anfang der 1990er Jahre waren sich die allermeisten Wissenschaftler in Sachen Alzheimer einig: Sie stellten die sogenannte Amyloid-Hypothese auf. Der zufolge ist bei den Patienten die Produktion oder der Abbau des Amyloid-Precursor-Proteins – kurz: APP – gestört. Das Eiweiß lagert sich dann zwischen den Gehirnzellen ab und sorgt dort für die fatale Störung der Verbindungen zwischen den Nervenzellen, die letztlich zu den bekannten Symptomen der Krankheit führt – so zumindest die Theorie. Zahlreiche Pharmaunternehmen haben darauf aufbauend Medikamente entwickelt, die die Ablagerung von APP verhindern sollen. Doch die ersten Studien mit menschlichen Patienten zeigen: Ganz so einfach scheint die Behandlung von Alzheimer doch nicht zu sein.


Eiweß Alzheimer
Mikroskopischer Einblick ins Alzheimer-Gehirn mit grün fluoreszierenden Nervenzellen in der Nähe der typischen Amyloid-Plaques (in blau dargestellt). (Bild: M. A. Busche / TUM)

Trotz Entfernung der Ablagerungen klangen die Symptome nicht ab

Zuletzt musste das US-Pharmaunternehmen Eli Lilly diese Erfahrung machen. Die Wissenschaftler dort hatten auf einen Antikörper namens Solanezumab gesetzt. Dieser sollte das APP frühzeitig abfangen und so verhindern, dass sich im Gehirn entsprechende Plaque-Ablagerungen bilden. In einer Studie mit 2000 Teilnehmern, die jeweils bereits unter einer milden Form der Demenz litten, stellte sich dann aber heraus: Der Gedächtnisabbau verlangsamte sich keineswegs so wie geplant. Vielmehr hatten die Patienten auch ohne APP-Ablagerungen im Gehirn mit den bekannten Symptomen zu kämpfen. Ähnliche Erfahrungen mussten zuvor bereits zahlreiche andere Pharmaunternehmen machen – unter anderem bei dem Versuch, die Plaque-Ablagerungen per Impfung zu verhindern.

Neue Forschungsansätze werden dringend benötigt

Zahlreiche Forscher gehen daher nun davon aus, dass die Amyloid-Hypothese nur einen Teil der Wahrheit darstellt. Demzufolge spielen die APP-Ablagerungen bei der Entstehung der Krankheit zwar eine Rolle, sind aber nicht alleine der entscheidende Faktor. Dafür spricht unter anderem auch die Tatsache, dass es sowohl Menschen mit massiven APP-Ablagerungen im Gehirn gibt, die geistig vollkommen fit sind, als auch Alzheimer-Patienten ohne auffällige Plaque-Bildungen. Viele Experten gehen daher inzwischen davon aus, dass es auch zukünftig nicht die eine Wunderpille geben dürfte, die sämtlichen Alzheimer-Patienten helfen wird. Vielmehr könnte es auf einen individuellen Cocktail an Wirkstoffen herauslaufen, der jeweils auf den konkreten Patienten abgestimmt wird. Auch bis dahin ist aber noch einiges an Forschungsarbeit zu leisten.


Via: Berliner Zeitung

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