Bisher nutzte die Wissenschaft die Daten des deutsch-amerikanischen Satelliten „Grace“, um das Ausmaß der jährlichen Eisschmelze auf Grönland zu untersuchen. Anhand dieser Informationen kalkulierten sie bisher, dass Grönland jährlich 253 Milliarden Tonnen an Eis verliert. Eine gewaltige Zahl, die allerdings allem Anschein nach noch nicht ausreichend ist. Denn neue Studien haben gezeigt, dass die Forscher eine Besonderheit der grönländischen Erdmasse nicht bedacht hatten. Diese rutschte nämlich in grauer Vorzeit über einen sogenannten Hotspot – in etwa dort wo heute Island liegt – und schmolz an der Unterseite ab. Die Dicke der Landmasse ist heute also geringer als ursprünglich gedacht. Den Neuberechnungen zufolge schmelzen in Grönland daher jährlich sogar jährlich 272 Milliarden Tonnen Eis dauerhaft.


Photograph: Jeremy Harbeck/Icebridge/NASA
Photograph: Jeremy Harbeck/Icebridge/NASA

Durch das Schmelzen der Eismassen hebt sich das Land langsam an

Dass dies durchaus signifikante Auswirkungen hat, zeigt ein Beispiel: Rechnet man die neuen Erkenntnisse auf die gesamte Dauer seit der letzten Eiszeit um, ist Grönland für einen deutlich größeren Teil des Meeresspiegelanstiegs verantwortlich. Statt um drei Meter ist der Meeresspiegel demnach aufgrund des geschmolzenen Grönland-Eises sogar um vier Meter gestiegen. Herausgefunden haben die Wissenschaftler die grönländische Besonderheit durch eine genaue GPS-Vermessung. Diese untersuchte das Phänomen der sogenannten postglazialen Landhebung. Denn wenn die Gletscher schmelzen, lässt auch der Druck auf die darunter liegenden Landmassen nach und diese steigen langsam nach oben. Die Messungen ergaben nun, dass dieser Prozess schneller verläuft als angenommen, was wiederum Rückschlüsse auf die Dicke der Landmasse zuließ.

Die Eisschmelze reicht bis in die Zentralarktis

Aktuell schmilzt aber nicht nur auf Grönland das Eis dauerhaft. Auch der Rest der Arktis ist in diesem Sommer von einer starken Eisschmelze betroffen. Bis hin zum Nordpol taute das Eis in diesem Jahr auf. Als Grund haben die Forscher dabei die zunehmende Erderwärmung in Folge des Klimawandels ausgemacht. Dieser Trend lässt sich dabei weltweit beobachten. So ist inzwischen auch die Nordwestpassage nördlich von Kanada grundsätzlich wieder für Schiffe befahrbar. In diesem Jahr fuhr dort beispielsweise bereits ein riesiges Kreuzfahrtschiff entlang. Eine Tour, die noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar schien.


Via: The Guardian

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