Während vor einigen Jahren noch fleißig in den Kleidungsläden um die Ecke eingekauft wurde, shoppt man nun bequem am Sonntagabend vom Sofa aus. Moderne Onlineshops bieten die nötige Beratung, Maße, Trends und sogar komplett abgestimmte Outfits. Das spart Zeit und oftmals auch noch Geld. Schließlich bekommt man zeitgleich auch mit zwei weiteren Klicks passende Gutscheine für den Einkauf geliefert. Obwohl das Onlinegeschäft boomt und auch der abgespeckte Service für viele Kunden in Ordnung ist, öffnen große Stores vermehrt oder sogar erstmals stationäre Läden. Entwickelt sich also wieder generell der Trend in Richtung Offline-Shopping oder hat die Eröffnung der Läden einen anderen Sinn? Wir sind der Frage einmal nachgegangen.


By Raidarmax (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Der Trend neue Pop-up-Stores hält weiter an

Wer online auf Shoppingtour geht, der stößt auf ein großes Angebot. Es ist einfach ziemlich bequem mit dem mobilen Endgerät während eines Kaffees eine neue Hose oder ein schickes Paar Schuhe zu kaufen. Meist trennen uns nur wenige Klicks und gar ein Knopfdruck auf den Dashbutton vom Glück. Wer mehr möchte, der kann auf eine Community zurückgreifen und beispielsweise über Angebote wie die Zalando Lounge gemeinsam die Schnäppchen jagen. Was den meisten Kunden reicht, ist den Online-Riesen jedoch noch nicht gut genug. Sie wollen wieder mehr Präsenz zeigen und das Vertrauen in die Brand festigen. Seit geraumer Zeit kann daher gut beobachtet werden, dass Online-Stores vorwiegend in den Innenstädten größerer Metropolen wieder Läden eröffnen. Die Läden sind auffällig, bunt, frisch und nicht all zu groß. Es handelt sich dabei nicht um klassische stationäre Kleidungsgeschäfte, sondern vielmehr um ein Aushängeschild. Eine Präsenz, die neue Kunden abholen soll. Die Rechnung geht, trotz teurer Ladenmieten, auf. Auf einmal ist der jahrelange Online-Shop nahezu greifbar, mit Personal zum Ansprechen und zum Plauschen. Die Wirkung ist durchaus gegeben, denn recht schnell werden beispielsweise Journalisten auf die Neueröffnungen aufmerksam und fragen prompt, ob denn jetzt wieder mehr in den offline Bereich geschaut wird, die klassischen Läden also doch nicht aussterben? Das jedenfalls wird seit Längerem schon prognostiziert und schmeckt auch vielen Einheimischen nicht wirklich. Einen Leerstand in den Innenstädten dürfte es in Zukunft, zumindest für größere Städte mit viel Tourismus, allerdings nicht geben.


Die Mehrkosten zahlen sich aus

Die neuen Offline-Shops funktionieren also als guter Marketing-Kanal, um das Vertrauen von Bestandskunden zu stärken und zeitgleich auch neue Kundschaft zu gewinnen. Im Optimalfall entwickeln die stationären Geschäfte eine Strahlkraft und stärken die Marke. Natürlich können sich das nur die großen leisten, denn das Ganze ist nicht gerade günstig. Im Laden direkt können die Kunden beraten und mit Gutscheinen und Aktionsangeboten zum anschließenden Online-Shopping bewegt werden. Ein netter Nebeneffekt ist dabei die Zahl der sogenannten „Brand Searches“, also die Eingabe des Shop-Namens mit dem passenden Produktbegriff in das Suchmaschinenfeld. Für die Online-Shops bedeutet das im Klartext eine Reduzierung der Werbekosten und der Gefahr, dass die Kunden auf einmal bei der Konkurrenz landen und dann dort verweilen und einkaufen.

Theorie und Praxis beachten!

Was sich nach einer lukrativen Sache anhört, ist in der Praxis dann doch nicht ganz so einfach. Die Verknüpfung des Online-Geschäfts mit dem stationären Handel ist tückisch und bringt so manche Hürden mit sich. Zum einen können die stationären Geschäfte nur einen kleinen Teil des Online-Angebotes wiedergeben. Als Händler muss man also genau überlegen, welche Ware ausgelegt wird. Schließlich kann das über den Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Ist der Kunde nicht zufrieden mit der angebotenen Ware, kann die Aktion nach hinten losgehen und das Image der Marke leiden.

Onlineshops, die allerdings erklärungsbedürftige und auch noch hochwertige Produkte anbieten, könnten mit entsprechender Ladenfläche einen durchaus interessanten Schnittpunkt erschaffen. Bei Technikprodukten oder auch Möbelstücken ist das ähnlich gut gelagert. Hier muss allerdings darauf geachtet werden, dass keine Konkurrenz im unmittelbaren Umfeld angesiedelt ist.

Kompensation des sogenannten „Robb-Effekte“

Und dann lauert noch ein weiteres Risiko, nämlich das eigene Klauen der Kunden. Wer Offline Ware kauft, wie beispielsweise einen PC, der wird keinen zweiten mehr online erwerben. Zumindest nicht in nächster Zeit. Der sogenannte „Robb-Effekt“ ist eine weitere der angekündigten Fallstricke. Die eigene Kannibalisierung muss demnach überkompensiert werden. Hier muss gut kalkuliert werden, so dass der forcierte Multichannel nicht auf einmal zu einem Multirisiko wird. Es wird also nicht jedem Händler gelingen zwei Geschäftsfelder gleichzeitig bedienen zu können, wenn schon das erste unrund läuft.

Die Transformation von Laden-Kunden in Offline-Kunden

Was sagen uns die Entwicklungen über die Zukunft der Online und Offline-Shops? Im Kern dürfte sich nicht wesentlich viel ändern. Dass wieder vermehrt der offline Handel angestrebt wird, ist nicht absehbar. Vielmehr frischen die neuen Pop-up-Store derjenigen, die sich den Aufwand leisten können, das Stadtbild auf und setzen neue Reize. Für den Verbraucher dienen die stationären Läden als Inspirationsquelle und reihen sich neben den herkömmlichen Geschäften ein. Parallel dazu wird weiterhin verstärkt in der Community eingekauft. Aus Sicht der Online-Händler, die ihre Marke weiter ausbauen oder auch festigen wollen, ist die Symbiose aus Online und Offline-Geschäft ein Wagnis, welches genau durchdacht und durchkalkuliert werden sollte. Es den Großen einfach nachzumachen ist nicht ratsam, da sich auch ein negativer Boomerangeffekt einstellen kann.

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