Die Gesundheitsversorgung ist in Großbritannien anders organisiert als in Deutschland. Auf der Insel gibt es keine aus den Sozialversicherungsbeiträgen finanzierten Krankenkassen, sondern den „National Health Service (NHS)“. Dieser finanziert sich aus Steuergeldern und stellt für jeden Bürger des Landes die medizinische Versorgung sicher. Alle Maßnahmen, die nicht vom NHS übernommen werden, müssen hingegen privat finanziert werden. Ein Streitpunkt ist dabei die Homöopathie. Bisher konnten die kleinen Kügelchen namens Globuli auf Staatskosten erworben werden, sofern sie von einem zugelassenen Arzt verschrieben wurden. Außerdem gab es staatlich anerkannte Homöopathie-Zentren, die ebenfalls durch das Gesundheitssystem finanziert wurden. Geht es nach NHS-Chef Simon Stevens soll sich dies aber bald ändern.


Der Gesundheitsdienst muss insgesamt 190 Millionen Euro einsparen

Denn dieser spricht den kleinen Kügelchen lediglich eine Placebo-Wirkung zu und nennt sie sogar einen „Missbrauch knapper NHS-Mittel“. Tatsächlich ist durch Studien längst nachgewiesen, dass Globuli keinen medizinischen Nutzen mit sich bringen. Die staatliche Finanzierung wurde daher immer wieder kritisiert, weil dadurch alle Steuerzahler die Sonderwünsche einer kleinen Minderheit finanzieren. Die jetzt geplante Änderung scheint aber wohl vor allem zustande zu kommen, weil der staatliche Gesundheitsdienst insgesamt gezwungen ist, Geld zu sparen. So sollen jährlich 190 Millionen Euro weniger ausgegeben werden. Logisch, dass dabei zunächst alle Ausgaben auf den Prüfstand kommen, die keinen medizinischen Vorteil für die Patienten haben.


Auch in Deutschland ist die Finanzierung durch die Krankenkassen umstritten

In Deutschland ist die Situation ein wenig anders. Hier ist es jeder Krankenkasse überlassen, ob sie Homöopathische Behandlungen übernimmt oder nicht. Oftmals wird dies als Instrument der Kundenbindung eingesetzt. Wer aber nicht möchte, dass mit seinen Beiträgen Globuli finanziert werden, kann auch zu einer anderen Krankenkasse wechseln. Welche Sprengkraft diese Thematik dennoch besitzt, musste zuletzt die Techniker Krankenkasse erfahren. Diese übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen homöopathische Behandlungen und handelte sich vor kurzem einen Shitstorm auf Twitter ein. Dort hatte ein Mitarbeiter kritische Nachfragen mit folgender Gegenfrage beantwortet: „Können sie uns saubere, wissenschaftliche Studien nennen, die die Nicht-Wirksamkeit von Homöopathie belegen?“ Was natürlich Unsinn ist. Denn zum einen kann eine Nicht-Existenz nie bewiesen werden. Zum anderen wirken Globuli durchaus – nur eben nicht besser als jeder andere Placebo auch.

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