Mikrobiologen entdeckten jüngst eine ganz neue Lebensform: Einen Parasiten, der auf der Außenhaut von Bakterien lebt und sich von ihnen nährt. Dieses Wesen, das selbst als Bakterium bezeichnet wird, aber nicht zu unabhängigem Leben in der Lage ist, scheint unter anderem für Antibiotikaresistenzen verantwortlich zu sein – eine Erkenntnis, die in Zukunft äußerst hilfreich sein könnte.


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Neu entdeckte Bakterienparasiten verschlimmern Krankheiten

Parasit saugt seinen Wirt regelrecht aus

Der Bakteriumparasit Bdellovibrio ist der Wissenschaft bereits länger bekannt, hierbei handelt es sich um ein unabhängiges Lebewesen, das andere Bakterien befällt, sie verändert und zum Schluss abtötet. Jetzt haben Forscher der University of Washington School of Dentistry in menschlichem Speichel einen weiteren Parasiten entdeckt, der noch nie zuvor identifiziert wurde. In vorherigen Untersuchungen wunderten sich die Mikrobiologen bei DNA-Untersuchungen des Bakteriums Actinomyces Odontolyticus über überschüssiges Erbgut, das nicht zu dieser Spezies gehörte. Bei mikroskopischen Betrachtungen erhielten sie Aufschluss über den Inhaber der rätselhaften DNA: Auf der Außenhaut der Bakterien hatte sich ein Organismus angesiedelt, der selbst nur 700 Gene besitzt und allein nicht überlebensfähig ist. Dieser Bakterienparasit saugt seinen Wirt mit der Zeit regelrecht aus, am Ende bilden sich Löcher in der Membran der Actinomyces Odontolyticus und das Innere fließt heraus.

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Parasitäre Mikroben auf der Außenhaut eines Bakteriums / Foto: Jeffrey S. McLean

Bakterienparasiten verstärken Antibiotika-Resistenzen

Der neu entdeckte Parasit kann keine eigenen Aminosäuren bilden und holt sich deshalb die lebensnotwendigen Baustoffe von seinem Wirt. Wo er auftaucht, breiten sich Mukoviszidose und Zahnfleischentzündungen aggressiver aus – und auch die Resistenz gegen Antibiotika nimmt zu. Vor allem das Antibiotikum Streptomycin scheint betroffen, ein Mittel mit breitem Wirkungsspektrum, das eine auffällig rasche Resistenzentwicklung aufweist. In vorherigen Studien hat dasselbe Mikrobiologenteam ein Bakterium identifiziert, das Archaeen befällt, bakterienähnliche Wesen ohne echten Zellkern. Beobachtungen zeigen, dass auch hier eine Verstärkung der Antibiotika-Resistenz erfolgt. Könnten Antibiotika also wieder wirksamer werden, wenn es der Medizin gelingt, die Bakterienparasiten auszuschalten? Einen Versuch ist es ganz bestimmt wert!


Quelle: www.newscientist.com

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1 Kommentar

  1. Jens Hafner

    26. Juni 2016 at 13:44

    Interessant ist diese Entdeckung auch in anderer Hinsicht. Zum einen zeigt sie, dass Leben vor nichts halt macht. Die Anzahl ökologischer Nischen auf diesem Planeten ist schier atemberaubend! Es scheint keinen Platz zu geben, an dem sich nicht irgendwo etwas einnistet und überlebt. Der vorliegende Fall parasitären Befalls eines Mikroorganismus‘ setzt dem Ganzen die Krone auf.

    Möglicherweise haben Bakterien und Viren eine „Paketfunktion“ für höhere Lebewesen: Durch Einschleusen bestimmter DNA/RNA Fragmente wird das Immunsystem des „Opfers“ biologisch herausgefordert- entweder kann es mit dem „Paket“ umgehen und die Fragmente nutzen (Reinigungseffekt) oder es geht an den Folgen zugrunde. Wie es auch endet – Mikroben stehen im Dienste der Evolution.

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