Politik zu zögerlich: Münchens Einwohner setzen den Kohle-Ausstieg durch!

In Sachen Atomkraft kann Deutschland weltweit eine Führungsrolle für sich beanspruchen: Als eine der größten Volkswirtschaften der Welt hat man sich freiwillig dazu entschieden, zukünftig auf diese gefährliche Form der Energiegewinnung zu verzichten. Wie problematisch der Betrieb von Kernkraftwerken sein kann, zeigt sich aktuell in Belgien. Dort wurden in der Reaktorhülle des Kraftwerks Tihange tausende Mikrorisse entdeckt – und in der Region Aachen deswegen sogar Jodtabletten verteilt.

Anders sieht es hingegen bei Kohlekraftwerken aus. Hier haben Länder wie Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada längst ein festes Ausstiegsdatum beschlossen. Deutschland hingegen sträubt sich nicht nur, sondern versucht sogar auf europäischer Ebene strengere Regeln für den Betrieb zu verhindern.

Foto: By N p holmes (Own work) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Im Heizkraftwerk Nord wurde Steinkohle aus Russland und den USA verbrannt

Das Thema sorgt auch für Streit bei den aktuell laufenden Koalitionsverhandlungen: Die Grünen waren als einzige Partei mit der Forderung nach einem festen Ausstiegsdatum in den Wahlkampf gezogen – und versuchen dieses Ansinnen nun gegen CDU, CSU und FDP durchzusetzen. Dass die Bürger von der Kohleenergie alles andere als begeistert sind, zeigt sich nun in München: Dort wurde per Bürgerbegehren das Ende des Heizkraftwerks Nord beschlossen. Der Block 2 – in dem Steinkohle aus Russland und den USA verbrannt wird – muss daher nun im Jahr 2022 vom Netz gehen. Die Münchener Stadtwerke hatten hingegen mit einem Betrieb bis zum Jahr 2035 geplant – und sprechen nun von entgangenen Gewinnen in Höhe von 300 Millionen Euro.

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Zuletzt aktualisiert am 20.11.2017

Das Kraftwerk verursacht mehr Emissionen als der Straßenverkehr

Für das Klima ist das Ergebnis der Abstimmung allerdings eine sehr gute Nachricht. Denn der Block 2 des Kraftwerks verursacht bisher jährlich 2,65 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen. Um diese Zahlen einzuordnen: Dies ist mehr als der gesamte Straßenverkehr in München und entspricht in etwa 18 Prozent der gesamten Emissionen der bayerischen Landeshauptstadt. Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren waren zwei Bedingungen erforderlich: Die Mehrheit der abgegebenen Stimmen musste sich für ein Ende des Kohlekraftwerks aussprechen – und es musste mindestens 110.000 JA-Stimmen geben. Beide Zielmarken wurden erreicht: Exakt 118.513 Münchener Bürger stimmten gegen den dauerhaften Betrieb – was einer Mehrheit von rund sechzig Prozent entsprach.