Französisch-Guyana liegt auf dem südamerikanischen Kontinent, ist aber Teil des französischen Staatsgebiets und damit beispielsweise auch Mitglied in der Europäischen Union. Politisch gesehen, gehört die Region also zu Europa. Für die europäische Raumfahrtagentur ESA bringt dies enorme Vorteile mit sich. Denn Französisch-Guyana liegt deutlich näher am Äquator als der Rest Europas – wodurch bei Raketenstarts weniger Treibstoff verbraucht wird. Der Weltraumbahnhof Centre Spatial Guyanais wurde daher immer wieder ausgebaut und stellt heute einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für das Überseedépartement dar. So starten von dort beispielsweise die europäischen Ariane-Raketen und bringen Kommunikationssatelliten und andere Nutzlast ins Weltall. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, musste der Start von Transportraketen nun allerdings wiederholt verschoben werden.


Foto: Jef-Infojef (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Französisch-Guyana leidet unter hoher Arbeitslosigkeit

Auch der nun angepeilte Termin Ende April ist in Gefahr. Denn Französisch-Guyana ist die ärmste Region Frankreichs und leidet unter hoher Arbeitslosigkeit und steigender Kriminalität. So liegt die Arbeitslosenquote bei 22 Prozent – und damit doppelt so hoch wie im Rest des Landes. Die Gewerkschaften des Landes haben daher einen Generalstreik ausgerufen und die Wirtschaft der Region blockiert. Eine Delegation französischer Ministeriumsmitarbeiter hat zwar inzwischen versucht, eine Lösung zu vermitteln. Bisher allerdings ohne Erfolg. Hält die politische Krise in der Überseeregion Frankreichs weiterhin an, sind Raketenstarts auf dem Weltraumbahnhof nicht möglich. Dies dürfte vor allem für die Airbus-Tochter Arianespace zum Problem werden. Denn das Unternehmen ist etwas teurer als etwa die Konkurrenz von SpaceX – gilt in der Branche aber auch als deutlich zuverlässiger: Seit 2003 sind 77 erfolgreiche Starts in Folge gelungen.

Arianespace profitiert bisher vom Ruf der Zuverlässigkeit

Viele Firmen aus der Satellitenbranche sind daher bereit, einen Aufschlag für den Transport mit den Ariane-Raketen zu zahlen. Verschobene Starts hingegen könnten langfristig dafür sorgen, dass das Image der Zuverlässigkeit verloren geht. Theoretisch gibt es zwar noch eine weitere Startbasis in Baikonur in Kasachstan. Allerdings können geplante Raketenstarts nicht so einfach an einen anderen Ort verlegt werden. Weitere Raketenstarts in Französisch-Guyana dürften aber erst möglich werden, wenn sich die Lage dort wieder beruhigt hat. Dafür scheint allerdings ein Entgegenkommen der französischen Regierung notwendig.


Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.