Mehrmals täglich pendelt das Motorschiff „Ostfriesland“ zwischen Emden und der ostfriesischen Insel Borkum. In Spitzenzeiten sind 1200 Passagiere und 70 Autos an Bord. Die Emdener Reederei als Eigner hat das Schiff für 13 Millionen Euro umbauen und vergrößern lassen. Die wichtigste Innovation ist nicht zu sehen: Der so genannte Dual-Fuel-Antrieb, das sind zwei Motoren mit jeweils 1156 Kilowatt, die sowohl flüssiges Erdgas (LNG=Liquefied Natural Gas) als auch Diesel verbrennen können, Diesel allerdings nur im Notfall.


MS Ostfriesland
MS „Ostfriesland“ (Bild: AG EMS)

Neuer Antrieb verringert Emissionsausstöße

Beim Betrieb mit LNG reduzieren sich die Emissionen von Kohlendioxid um 20 Prozent, von Stickoxiden um 90 Prozent und von Schwefelverbindungen um 95 Prozent, jeweils verglichen mit den zuvor installierten konventionellen Motoren. Der Feinstaubausstoß, der im Verdacht steht, Krebs auszulösen, reduziert sich zudem auf Null. Das flüssige Erdgas schwappt in einem extrem gut isolierten Tank an Bord, der 40.000 Liter fasst. Die Temperatur des LNG liegt bei minus 162 Grad Celsius. Im Emdener Hafen hat die Reederei eigens eine Tankstelle bauen lassen, um ihr Schiff mit Treibstoff versorgen zu können. Bevor das LNG in die Motoren gelangt muss es wieder in den gasförmigen Zustand versetzt werden. Sonst würden die Motoren einfrieren. Die Umwandlung in Gas geschieht in ebenfalls mit Erdgas beheizten Rohren. Im Sommer wird die Kälte genutzt, um die Räume des Schiffes zu klimatisieren.

Schiffsantrieb der Zukunft

LNG sehen viele Experten als Schifftreibstoff der Zukunft an. Heute dominiert noch Schweröl, das so zäh ist, dass es erwärmt werden muss, damit es sich in die Motoren pumpen lässt. Dieser Treibstoff ist billig und extrem umweltgefährdend, weil der Schwefelgehalt sehr hoch ist und sehr viel Ruß freigesetzt wird. In Nord- und Ostsee, im Kanal zwischen Großbritannien und Frankreich sowie in einigen anderen Regionen ist dieser Treibstoff nicht mehr zugelassen. Schiffe, die dort fahren, müssen teilentschwefelten Sprit verbrennen, der erheblich teurer ist. Und er wird noch teurer, weil der Schwefelgehalt weiter reduziert wird. Da lohnt sich in manchen Fällen die Umrüstung auf Flüssiggas.


Im Hamburger Hafen ist bereits eine Barke mit einem Erdgaskraftwerk an Bord im Einsatz. Sie versorgt Kreuzfahrtschiffe, die an einem der drei Terminals liegen, mit Strom. Ein solches Schiff hat einen Bedarf wie eine kleine Stadt. Bis zum Einsatz der Barke liefen die Motoren, die die Generatoren an Bord antreiben, auch während des Hafenaufenthalts, und verpesteten mit ihren Abgasen die Luft.

Die ersten Fähren, die mit LNG betrieben werden, hat Norwegen in Dienst gestellt. Die Stavangerfjord ist seit zwei Jahren in Betrieb, das Schwesterschiff Bergensfjord folgte ein Jahr später. Diese Fähren sind für bis zu 1500 Passagiere und 600 Pkw ausgelegt – oder entsprechend viele Lkw.

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1 Kommentar

  1. Arno Nym

    5. September 2015 at 12:39

    Ich wage zu behaupten, dass das Verbrennen von Erdgas nur um einen Furz weniger naturzerstörender ist als das von Erdöl.
    Verbrennung zur Energiegewinnung ist eine Unart der Vergangenheit, kein Trend der Zukunft.

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