Teslas Aktionäre waren in den letzten Monaten extrem erfolgsverwöhnt. Angetrieben von der Hoffnung, dass der Elektroauto-Pionier mit dem Model 3 endlich auch den Massenmarkt erobern könnte, stieg der Aktienkurs immer höher und höher. Zunächst wurde so die Marktkapitalisierung von Ford überholt, später auch die von General Motors – Tesla war damit der wertvollste US-Autokonzern. Doch nun musste das Unternehmen eine erschreckende Zahl verkünden: 260. So viele fertige Exemplare des neuen Model 3 wurden im dritten Quartal lediglich gebaut. Geplant waren eigentlich 1.500 Fahrzeuge. Eine wirkliche Erklärung konnte das Unternehmen auch nicht liefern, sprach lediglich allgemein von „Produktionsengpässen“. Nicht die einzigen im Konzern: Es gibt sie beispielsweise auch bei der Powerwall 2. Der Aktienkurs rutschte daher deutlich ins Minus – und zwei alte Rivalen nutzten die Gelegenheit, um in den Angriffsmodus zu wechseln:


Bisher ist noch unklar, was die Gründe für den Produktionsengpass beim Tesla Model 3 waren. Foto: Elon Musk

General Motors: Zwanzig neue Elektromodell bis zum Jahr 2023

Der inzwischen wieder wertvollste Autobauer der USA bekennt sich nun vollständig zur voll elektrischen Zukunft der Automobilindustrie. Bisher hat der Konzern allerdings lediglich den Chevrolet Bolt EV auf dem Markt – und vermarktet diesen eher zurückhaltend. Schon in den nächsten anderthalb Jahren sollen nun aber zwei weitere reine Elektromodelle in die Verkaufshallen der Händler kommen. Anschließend ist eine Großoffensive geplant: In sechs Jahren sollen mindestens zwanzig unterschiedliche Modelle mit Elektroantrieb verfügbar sein. Aus technologischer Sicht will der Konzern sich allerdings mehrere Türen offen halten. Neben dem reinen Elektroantrieb, wie ihn auch Tesla nutzt, soll auch weiter an Lösungen mit einem Wasserstoffantrieb gearbeitet werden.

Ford: „Team Edison“ soll den Umbau vorantreiben

Der traditionsreiche Ford-Konzern hat bereits vor einiger Zeit eine Investitionsoffensive im Bereich der Elektroautos angekündigt: Bis zum Jahr 2020 sollen mehr als vier Milliarden Dollar investiert werden. Wie das Geld am sinnvollsten ausgegeben wird, soll zukünftig eine Gruppe von ausgewiesenen Experten diskutieren. Das „Team Edison“ wird direkt in der Unternehmenszentrale in Detroit stationiert und soll sich zudem auch um die Zusammenarbeit mit Zulieferern und Forschungszentren kümmern. Die wichtigste Aufgabe aber: Außerhalb der bisher im Konzern genutzten Strukturen zu denken. In dieser Woche will Ford-Boss Jim Hackett zudem seine Strategie im Bereich der E-Mobilität noch einmal detailliert vorstellen.


Fazit: Das US-Autoimperium schlägt zurück

Lange wurde Tesla in den Vorstandsetagen der US-Autokonzerne eher belächelt. Zu fantastisch klangen die Ankündigungen, zu niedrig waren die verkauften Stückzahlen und zu hoch die Verluste. Doch inzwischen hat Tesla das Thema Elektromobilität nicht nur in der Mitte der Gesellschaft verankert, sondern auch im Denken der US-Autobosse. Diese haben daher damit begonnen, zumindest einen Teil ihrer enormen Ressourcen in diesen Bereich zu lenken. Für Tesla – das wieder einmal durch zu große Ankündigungen für Enttäuschungen sorgte – könnte dies zur Nagelprobe: Weiterhin darauf hoffen, nicht richtig ernst genommen zu werden, kann der Autobauer jedenfalls nicht.

Via: Recode

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.