In manchen Ländern, etwa in China, sind Quallen eine beliebte Essensbeilage. Europäer können sich das kaum vorstellen. Doch da die hierzulande meist als eklig empfundenen Nesseltiere wertvolle Inhaltsstoffe haben, haben sich das Geomar-Helmholtz-Zentrum für Meeresforschung und 14 weitere europäische Forschungsinstitute darangemacht, andere Verwendungsmöglichkeiten zu finden. Denn ihre Zahl ist gigantisch. „Allein die eingeschleppte amerikanische Rippenqualle kommt in europäischen Gewässern auf eine Biomasse von einer Milliarde Tonnen“, sagt Geomar-Forscherin Jamileh Javidpour. Sie leitet das GoJelly genannte Projekt Jelly ist die englische Bezeichnung für Quallen.


Aquarium für Quallen bei Geomar in Kiel (Foto: Jan Steffen/Geomar)

Quallen werden zur Massenplage

Quallen vertreiben, wenn sie in größeren Mengen auftauchen, die Badegäste an den Stränden. Die Tiere haben als Massenplage schon ganze Fischfarmen vernichtet. Zunächst einmal entwickeln die Wissenschaftler Verfahren, um herauszufinden, wann und wo sich große Mengen an Quallen tummeln. Die sollen dann abgefischt und verwertet werden. Einige Möglichkeiten sind schon bekannt. So könnten sie in Kläranlagen eingesetzt werden. „Erste Studien haben gezeigt, dass Schleim von Quallen Mikroplastik binden kann“, so Javidpour. Mikroplastik, das zunehmend die Weltmeere verseucht, ist eine Gefahr für Meeresbewohner.

Von Dünger bis zu Hautpflege

Quallen könnten auch zu Dünger verarbeitet werden. Sie enthalten zudem Collagen, wie es in Hautpflegemitteln verwendet werden. Am interessantesten scheint die Verarbeitung zu Fischfutter zu sein. In Aquafarmen werden Millionen Tonnen an Fischen verfüttert, die dann größeren Meeresbewohnern fehlen. Würden sie durch Quallen ersetzt könnte die Überfischung gemindert werden. „Futter aus Quallen wäre deutlich nachhaltiger und würde die Wildfischbestände schonen“, so Javidpour. Die werden ohnehin schon von der zunehmenden Versauerung des Meerwassers durch Kohlendioxid gestresst. Quallen macht das übrigens nichts aus. Ihr Bestand wächst stetig weiter.


Javidpour kann sich sogar vorstellen, dass Europäer Quallen essen, natürlich nachvorheriger Bearbeitung. „Wenn das Endprodukt nicht mehr glibberig ist, könnte es auch allgemein eine größere Akzeptanz erlangen“, so die Biologin.

via Geomar

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