Weite Landstriche in Kolumbien können nur unter Lebensgefahr betreten werden. Landminen, die Guerillakämpfer und Mitglieder von Drogenkartellen vergraben haben, sind eine stete Gefahr. Mit herkömmlichen Detektoren sind sie kaum auszumachen. Die selbst gebastelten Minen enthalten nur wenig Metall, sodass Metalldetektoren oder andere Suchgeräte kaum hilfreich sind. „Von 2.000 gefundenen Objekten ist nur eines eine Mine“, sagt Christoph Baer vom Bochumer Lehrstuhl für Elektronische Schaltungstechnik, der an der Ruhr-Universität Bochum mit Jan Barowski und Jochen Jebramcik vom Lehrstuhl für Hochfrequenzsysteme eine neuen Sensor entwickelt, der unkonventionelle Minen aufspürt.


© RUB, Damian Gorczany
© RUB, Damian Gorczany

Minensuche als Computersimulation

Das Team baute Landminen nach, wie sie in Kolumbien üblich sind, allerdings ohne sie mit Sprengstoff zu füllen. Diese simulierten sie in einem Rechner. Dort beschossen sie die virtuellen Minen mit ebenso virtuellen Lasterstrahlen und ermittelten das Echosignal. Darin fanden sie charakteristische Muster, die vor allem vom metallischen Zünder und dem verwendeten Sprengstoff verursacht werden. Diese Muster treten nicht auf, wenn etwa Steine oder andere massive Massen die Radarstrahlen reflektieren. Ein Bildverarbeitungsprogramm erkennt die Muster. Eine -Art Navi, das integriert wird, gibt einen Hinweis auf den genauen Ort, an dem sich das gefährliche Fundstück befindet. In der Simulation funktioniert die Technik. Jetzt muss sie auf ein mobiles Gerät übertragen werden, mit dem sich die Kolumbien-spezifischen Landminen zuverlässig aufspüren lassen.

200.000 Sprengfallen sind noch nicht entdeckt

Über 9.000 Menschen fielen den Landminen in den Jahren 2000 bis 2012 zum Opfer. Konservative Schätzungen gehen von 200.000 weiteren Sprengfallen aus, die noch nicht entdeckt worden sind. 2015 einigten sich die kolumbianische Regierung mit der FARC-Guerilla auf eine umfassende Minenräumaktion. Bislang setzt das Militär vor allem wenig effektive Metalldetektoren ein oder legt Sprengfallen, die bei der Explosion in der Nähe vergrabene Minen ebenfalls detonieren lassen. Doch das ist ein Zeit raubendes und die Umwelt zerstörendes Verfahren. Die Bochumer Forscher hoffen, innerhalb von zwei bis drei Jahren ein einsatzfähiges Gerät fertig zu haben. Dann gibt es mit Sicherheit noch genügend unentdeckte Minen in dem südamerikanischen Land.


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