Eine Reise zum Mars wäre für Menschen mit zahlreichen Gesundheitsrisiken verbunden. Mehrere Studien haben sich mit den Risiken bemannter Marsmissionen auseinandergesetzt. Unter anderem drohen den Astronauten permanente neurologische Schäden, ein erhöhtes Leukämierisiko und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken. Forscher der University of Nevada, Las Vegas, fügten der Liste nun noch ein generell verdoppeltes Risiko hinzu, an Krebs zu erkranken.


Bild: SpaceX

Kosmische Strahlung verursacht Zellmutationen

Die Tatsache, dass die Astronauten stetiger kosmischer Strahlung ausgesetzt wären, ist eines der größten Gesundheitsrisiken während einer bemannten Marsmission. Insbesondere die sogenannte galaktische kosmische Strahlung (GCR) und Solar Energetic Particles (SEP) ist problematisch.

Längere Exposition gegenüber SEP kann die Körperzellen sowie die DNA der Astronauten beschädigen. Allerdings kann diese Art von Strahlung in den meisten Fällen physikalisch blockiert werden, sodass diese kein größeres Problem darstellen sollte.


Anders sieht es mit GCR aus. Dabei handelt es sich um energetisch stark geladene Teilchen, die durch hochenergetische Events außerhalb des Sonnensystems wie etwa Supernova-Explosionen entstanden sind. Diese Strahlung kann nicht einfach durch die Abschirmung des Raumfahrzeugs blockiert werden, was sie zu einem ernstzunehmenden Risiko macht. GCR enthält einen Anteil „schwerer“ Ionen, die auch durch dicke Abschirmung sowie durch biologisches Gewebe dringen können und ebenfalls Schäden an Zellen und DNA verursachen.

Marsmission wäre einer gefährlichen Strahlendosis ausgesetzt

Vor einigen Jahren dokumentierten Forscher die Menge an Strahlung, der die Curiosity-Sonde der NASA auf ihrer 220 Tage dauernden Reise zum Mars ausgesetzt war. Curiosity war auf ihrer Reise täglich 1,8 Millisievert kosmischer galaktischer Strahlung ausgesetzt. Das entspricht etwa einem CT des kompletten Körpers alle fünf bis sechs Tage. Gerechnet auf die Länge einer Marsmission käme es zu einer problematisch hohen Dosis an kosmischer Strahlung, der die Astronauten ausgesetzt wären.

Exploring Mars will require missions of 900 days or longer and includes more than one year in deep space where exposures to all energies of galactic cosmic ray heavy ions are unavoidable. Current levels of radiation shielding would, at best, modestly decrease the exposure risks“, so der Strahlungsexperte Francis Cucinotta von der University of Nevada, Las Vegas.

Das Strahlungsproblem muss erforscht und gelöst werden

Die Menge von 1 Sievert, der die Astronauten über die Dauer der Mission insgesamt ausgesetzt sind, erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken, um etwa 5,5 Prozent. Die eigentliche Gefahr lauert aber in den Folgen, die die Strahlung langfristig haben könnte. Auch Zellen, die anfangs nicht von der Strahlung beeinflusst wurden, können im Nachhinein gefährliche Mutationen entwickeln, schlicht und einfach deshalb, weil Zellen in ihrer Nähe durch die Strahlung beeinflusst wurden. Dies bezeichnet man in der Wissenschaft als den „Bystander Effect“, und Cucinotta schätzt, dass dieser langfristig zu einem nahezu verdoppelten Krebsrisiko führen kann.

Auch wenn die Ergebnisse der Untersuchungen durch die University of Nevada, Las Vegas nicht definitiv sind, so scheint es auf jeden Fall angeraten, die Auswirkungen kosmischer Strahlung auf den menschlichen Körper genauer zu untersuchen, bevor eine bemannte Marsmission gestartet wird.

Momentan sieht die NASA für Missionen im Orbit der Erde vor, dass eine Erhöhung des Krebsrisikos um 3,5 Prozent nicht überschritten werden darf. Eine entsprechende Regelung für Deep-Space-Missionen liegt noch nicht vor.

Allerdings sind momentan auch mehrere neue Materialien in der Entwicklung, die den Strahlungsschutz von Raumfahrzeugen deutlich verbessern sollen. Die bemannten Marsmissionen sind für die 2030er Jahre geplant – genug Zeit also, um das Strahlungsproblem durch neue Materialien in den Griff zu bekommen. In jedem Fall sollten die Astronauten nicht auf die Reise geschickt werden, ohne dass es verlässliche Daten zu den bestehenden Risiken gibt.

via University of Nevada, Las Vegas

"

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.