Senioren, die auf einen Rollator angewiesen sind um den täglichen Einkauf in der Stadt zu absolvieren oder die Enkel zu besuchen, stoßen im Alltag oftmals auf unangenehme Hürden. Für Außenstehende sieht es unkompliziert und leicht aus, wenn sich ältere Menschen mit einem Rollator fortbewegen. Probleme gibt esjedoch bereits beim Einstieg in den Bus oder beim Überqueren einer hoch frequentierten Fußgänger-Ampel. Spezielle Sicherheitstrainings sollen die Senioren fit für den Alltag mit Rollator machen.


Rollator-Training Senioren
Kim Scarborough CC BY-SA 2.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Spezielle Rollator-Trainings versprechen mehr Sicherheit

Ursula Maslowski ist 84 Jahre alt und hat jüngst an einem Rollator-Training teilgenommen. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa berichtet die rüstige Rentnerin, dass das Training ihr mehr Sicherheit im Umgang mit der Gehhilfe gebracht hat. So kann Frau Maslowski nun Borsteine besser überwinden und verfügt zudem über ein koordinierteres Bremsverhalten. Ein Rollator bedeutet für die ältere Damen ein bisschen mehr Lebensqualität. Vor der Gehilfe saß Frau Maslowski ausschließlich im Rollstuhl. Mit dem Rollator könne sie kürzere Wege erledigen und somit auch den Rollstuhl regelmäßig verlassen.

Kernpunkte des Spezial-Trainings

Im Rahmen der Rollstuhl-Trainings werden unter anderem Parcours aufgebaut, die Alltags-übliche Stolperfallen und Problemfelder beinhalten. Mit dem Rollator kann sogar das Überqueren einer Fußgänger-Ampel zu einem abenteuerlichen Unterfangen werden. Vor allem wenn die Ampel hoch frequentiert ist, sollte man als Rollator-Fahrer sich einen Platz ganz vorn sichern und zudem auf sich aufmerksam machen. Am besten geht das mit einer handelsüblichen Fahrrad-Klingel. Cornelia Brodeßer arbeitet mit der Verkehrswacht Bonn zusammen und bietet die speziellen Rollator-Trainings an.


Die richtige Bereifung

Es gibt Rollatoren mit kleineren und größeren Reifen. Die Experten raten dabei zu größeren Reifen. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass weichere Reifen gewählt werden. Die Kombination aus größeren Rädern und weichen Reifen wirkt sich vor allem beim Passieren von Kopfsteinpflaster-Straßen positiv aus. Dabei werden die durch den unregelmäßigen Untergrund hervorgerufenen Schläge nicht eins zu eins an den Rollator-Fahrer weiter gegeben. Die weichen Räder kompensieren die Schläge. Darüber hinaus lässt sich der Rollator mit größeren Rädern auch leichter über Kopfsteinpflaster schieben. „Auch im Park kann eine andere Bereifung sinnvoll sein, etwa wenn die Wege mit Kiesschotter gestreut sind“, ergänzt Frau Brodeßer.

Herausforderung Bus und Zuhause

Als Königsdisziplin erweisen sich Busse und das Zuhause. Viele Busse verfügen noch nicht über die komfortable Absenkautomatik. Die Senioren müssen daher wissen, wie sie den Rollator am besten handhaben um den Bus sicher betreten zu können. Hierbei wird unter anderem gezeigt, wie der Rollator richtig gekippt und angebremmst wird um für einen sicheren Stand zu sorgen. Darüber hinaus erfahren die älteren Leutchen im Rahmen der Rollator-Trainings einfache aber elementar wichtige Funktionen. Eine Vielzahl der Busse verfügt beispielsweise über kleine blaue Knöpfchen mit einem Rollstuhlsymbol. Werden die Schalter gedrückt, wird dem Bus-Fahrer signalisiert, dass länger gehalten werden muss. Schließlich benötigt ein Rollator-Fahrer beim Betreten und Verlassen eines öffentlichen Verkehrsmittels etwas mehr Zeit.

Ein weiteres Problemfeld kann oftmals auch das eigene Zuhause darstellen. Der Chefarzt der Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart, Prof. Clemens Becker, betont, dass weniger als zehn Prozent der Wohnungen in Deutschland barrierefrei sind. Hierbei bereiten schmale Flure und enge Türen schon große Probleme. In vielen Zimmern kommt man nur schwer um die Ecke. Auch das Rückwärtsgehen bereitet oftmals große Schwierigkeiten.

Friedhof und Wasserkanne

Der Friedhof erweist sich als weiterer Ort, der mit Schwierigkeiten verbunden sein kann. So stellen bereits die mit Wasser gefüllten Gießkannen für die Grabflege eine Hürde dar. Die Kannen müssen oftmals noch befüllt werden. Ist dieser Zwischenschritt geschafft, geht es mit dem relativ komplizierten Transport per Rollator weiter. Die Kannen sind oft recht schwer und unhandlich. Geht es bei dem Friedhof dann auch noch bergauf müssen Viele von vornherein resignieren und sind auf die Hilfe anderer angewiesen. Für diesen Ort gibt es leider keine Spezial-Trainings, so dass der Friedhof entweder nur mit einer Begleitung besucht werden kann oder die Gießkannen links liegen gelassen werden müssen. Es existieren jedoch Konzepte in der Form von speziellen Rollator-Gießkannen, die gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen können die Spezial-Rollatoren wie herkömmliche Gehhilfen verwendet werden. Zum anderen verfügen diese über Wassertanks, die mit einem Schlauch unkompliziert befüllt werden können und den Füll- und Gießvorgang vereinfachen.

Schnee und Matsch als besondere Herausforderung

Das Rangieren bei Schnee und Matsch bereitet vielen Rollator-Nutzern ebenfalls Schwierigkeiten. Ist der Bordstein mit einer Eisschicht überzogen können nur noch Schuhe mit Spikes einigermaßen Grip garantieren. In der Dämmerung sollte darüber hinaus auf reflektierende Kleidung gesetzt werden. Desweiteren sollten Reflektorstreifen auch am Rollator zum Einsatz kommen. Nach dem Ausflug in die Stadt ist es auch wichtig die Rollator-Reifen wieder zu reinigen und vom festgesetzten Schmutz an der Bereifung zu befreien. Hier sollte man sich jedoch helfen lassen. Was einige Rollator-Nutzer nicht wissen ist, dass man mit den Bremsen auch lenken kann. Schleifende Bremsen sind vor allem dann vorteilhaft, wenn es bergab geht. Viele unterschätzen die Eigendynamik, die ein Rollator bei Gefälle entwickeln kann. Mit leicht schleifenden Bremsen kann dass jedoch relativiert werden. Weitere nützliche Tipps hält das spezielle Rollator-Training bereit.

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