Bereits vor zwei Wochen präsentierte ein italienischer Chirurg seinen Plan, in zwei Jahren die erste Kopftransplantation der Welt durchzuführen. Nun stellte er den Mann vor, der seinen Kopf für dieses Experiment zur Verfügung stellen wird: Ein dreißigjähriger Russe, der an spinaler Muskelatrophie leidet, wird seinen Kopf auf einen anderen Körper verpflanzen lassen.


Futurama Heads

OP soll 36 Stunden dauern

Der Operationsplan des italienischen Chirurgen Sergio Canavero im Februar in der Zeitschrift Surgical Neurology International vorstellte. Insgesamt wird Canavero für die OP ein Team aus 150 Ärzten und Krankenschwestern benötigen.


Ende des letzten Jahrhunderts gab es entsprechende Versuche mit Affen und Hunden, die jedoch nur wenige Tage überlebten. Ein kürzlich durchgeführter Versuch mit Mäusen zeigte aber, dass die Verpflanzung eines Kopfes grundsätzlich möglich ist. Canavero geht davon aus, dass es inzwischen medizinisch möglich sein müsste, eine derartige OP auch an einem Menschen durchzuführen. Die größte Herausforderung stellt die Verbindung der Nervenbahnen in der Wirbelsäule des Kopfes mit der des Spendekörpers dar.

Diese Verbindung soll mit einer speziellen Chemikalie vollzogen werden, die die Fette in Zellmembranen dazu motiviert, Verbindungen zu formen. Muskeln und Blutgefäße werden mit herkömmlichen Nähten verbunden werden. Nach der Prozedur wird der Patient in einem künstlichen Koma gehalten und sein Rückenmark mit elektrischen Impulsen stimuliert. Canavero nennt sein Vorhaben HEAVEN, für Head Anastomosis Venture.

30-jähriger Russe als Patient

Diese Woche hat Canavero den Patienten für sein Vorhaben vorgestellt: Der 30-jährige Russe Valery Spiridonov aus dem Städtchen Vladimir leidet an einer besonders seltenen Art von spinaler Muskelatrophie. Dabei gehen motorische Nervenzellen im Rückenmark unter, was eine fortschreitende Verschmächtigung der Muskulatur nach sich zieht. Patienten, die unter dieser Krankheit leiden, haben eine stark verminderte Lebenserwartung und verbringen die letzten Jahre ihres Lebens zumeist nahezu bewegungsunfähig im Rollstuhl.

Am I afraid? Yes, of course I am. But it is not just very scary, but also very interesting. You have to understand that I don’t really have many choices… If I don’t try this chance my fate will be very sad. With every year my state is getting worse”, so Spiridonov gegenüber Daily Mail.

Das Vorhaben stößt auf Kritik

Allerdings gibt es durchaus auch Stimmen, die dem Vorhaben kritisch gegenüber stehen. Selbst wenn Wirbelsäule, Luft- und Speiseröhre sowie Muskeln und großen Blutgefäße zusammengefügt werden können, stelle das Rückenmark ein nahezu unüberwindbares Problem dar, erklärt Hunt Batjer von der American Association for Neurological Surgeons. “I would not wish this on anyone. I would not allow anyone to do it to me, there are a lot of things worse than death”, so Batjer gegenüber CNN. Es wäre möglich, dass der Patient sich weder bewegen noch atmen kann, nachdem er aufwacht. Arthur Caplan, von der University of New York hegt ähnliche Vorbehalte. „Their bodies would end up being overwhelmed with different pathways and chemistry than they are used to and they’d go crazy. It’s not like you can unscrew your head and put it on someone else”, so Caplan. Außerdem wäre eine toxische Menge an Medikamenten nötig, um eine Abstoßung des Gewebes zu verhindern.

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