Russland und die USA kooperieren beim Bau der Raumstation im Mondorbit

Auf der Erde verstehen sich Russland und die Vereinigten Staaten aktuell nicht besonders gut. Zuletzt wiesen die beiden Kontrahenten sogar gegenseitig Diplomaten aus. Ein bisschen anders sieht dies offensichtlich in der Raumfahrt aus. Dort wollen die beiden in diesem Bereich erfahrensten Nationen auch zukünftig bei wichtigen Projekten kooperieren. Bisher ist dies beispielsweise schon bei der internationalen Raumstation ISS der Fall. Zukünftig soll die Zusammenarbeit zudem auch auf eine geplante Raumstation im Mondorbit ausgeweitet werden. Diese wird aktuell von der NASA geplant und trägt den Projektnamen Deep Space Gateway. Von ihr aus sollen später einmal sowohl Flüge zum Mond als auch zu weiter entfernten Planeten möglich sein.

So könnte die Raumstation in der Erdumlaufbahn einmal aussehen. Bild: Boeing

Gemeinsame Standards sollen etabliert werden

Wie der Chef der russischen Raumfahrtbehörde, Igor Komarow, nun mitteilte, wird die NASA dabei mit Roskosmos kooperieren. Dabei geht es vor allem darum, gemeinsame Standards zu entwickeln. Dies ist beispielsweise von Bedeutung, damit auch tatsächlich Raumschiffe aller Nationen an der geplanten Station andocken können. Dies geschieht nicht aus reinem Internationalismus, sondern hat auch ganz praktische Gründe: Im Notfall können dann andere Nationen einspringen, um die Besatzung im Weltall zu versorgen. Bei der internationalen Raumstation hat beispielsweise Japan einige Versorgungsflüge übernommen, weil die russischen und amerikanischen Raketen mit technischen Defekten zu kämpfen hatten. Russland will daher auch noch weitere Nationen an dem Projekt beteiligen – etwa Indien und China. In diesem Punkt waren die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit aber sehr zurückhaltend.

Ab dem Jahr 2022 könnten die ersten Module ins All transportiert werden

Neben gemeinsamen Standards könnte Russland zudem auch den Bau einiger Module übernehmen. Wie genau die Kooperation gestaltet wird, ist allerdings noch offen. Zunächst haben die beiden Raumfahrtbehörden eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. Nun muss daraus noch ein konkreter Vertrag werden – wofür auch die Politik ihre Zustimmung geben muss. Aktuell ist geplant, dass bereits in den Jahren 2022 bis 2024 die ersten Module der neuen Raumstation in die Umlaufbahn des Mondes gebracht werden. Von dort aus will Russland dann auch endlich einen ersten Kosmonauten auf den Erdtrabanten schicken. Bisher war dieses Erlebnis nämlich nur US-Amerikanern vergönnt.